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Samstag, 21. Oktober 2017

Geschichte eines Strandes - das Finale. Hoffentlich

2017

Es ist vollbracht. Die Böschung ist tatsächlich mit Steinen gesichert.
Bei der Ankunft im September

Grande Marée ist am Samstag, 7. und Sonntag, 8. Oktober. Zärtlich umspülen die Wellen die Steine.




Das Meer war unruhig, aber es gab keinen Sturm. 
Mit dem Sturm am 21. Oktober 2017 bei einem Koeffizienten von 92 und einer Tidenhöhe bei Hochwasser von 10 m beweist sich, dass die Steine ihren Zweck erfüllen. Hier einige Eindrücke beim Wasserhochstand am Morgen.

Der Wind ist heftig - die Gischt fliegt. Das Meer ist ziemlich unruhig. Doch die Sonne scheint.
Ist schon was schönes, so unruhiges Meer

Das Wasser kracht auf die Steine.
 Wären die Steine nicht an der Düne, wäre selbst bei diesem relativ harmlosen Sturm bei noch lange nicht dem höchsten Koeffizienten der Sand schon wieder weggespült worden.
Angriff und Abwehr
Nun hat es also 10 Jahre gebraucht, bis eine Lösung gefunden wurde, die Düne und damit auch die darauf stehenden Häuser zu schützen. 10 Jahre Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die städtischen Arbeiter, 10 Jahre Kosten für die Hausbesitzer. Und das, wo jeder Laie schon im ersten Jahr gesehen hatte, dass es keinen anderen Weg als diesen, der nun gefunden wurde, geben konnte.

Montag, 31. Oktober 2016

Die Geschichte eines Strandes - Teil 3


Fortsetzung des Dramas von 2014 bis 2016

Die Geschichte des kleinen Strandes geht weiter. Jedes Jahr ist es spannend, wie er sich wieder verändert hat.
Den schlimmsten Zustand hatte er im Jahr 2014 erreicht.

2014

Als ich am dritten Wochenende im September 2014 in Trégastel ankomme, ist das Wetter herrlich, as Meer ruhig und der kleine Strand unterhalb der sieben Häuser wunderbar aufgeräumt, eine Sandschicht liegt sauber über der Böschung. Wie eine Düne im Sonnenschein, könnte man meinen.

Nur der Abbruch am Rand oben erinnert an die Vergangenheit

Winter 2013/2014

Doch die Geschichte des kleinen Strandes hatte sich dieses Jahr mit einer Tragödie fortgesetzt.

Um den Jahreswechsel war ein Sturm nach dem anderen über die Bretagne gefegt. Selbst die Presse Deutschlands, sonst nicht sehr informationsfreudig, was Neuigkeiten aus der Bretagne angeht, berichtete über diese Wetterkapriolen. Ganze Städte wurden überflutet, da die Flüsse aus dem Landesinnern Hochwasser trugen. Und die Stürme zerstörten zusammen mit den Brechern aus dem Meer ziemlich viele Küstenwege.
Mir fällt irgendwann auf meinen Wanderungen entlang der Küste auf, dass die Landmasse der Bretagne abgenommen hat. Es fehlen Stücke. Sie waren damals während des Jahreswechsels wohl ins Meer gespült worden. In Landrellec fehlt der Amboss - das riesige, tonnenschwere Stück Felsen, das wie der Amboss einer Schmiede geformt war. Er ist einfach verschwunden. Und das Stückchen Halbinsel, vor dem er in dem Steinechaos gestanden hatte, durchaus immer mal wieder bei Hochwasser umspült, ist kleiner, der Grasstreifen sehr schmal geworden. Der Küstenweg zurück nach Trégastel hat sich ebenfalls wieder an einigen Stellen verändert. Es ist ein bisschen wie diese Bilder auf Rätselseiten - zwei identische Bilder mit kleinen Unterschieden, die man zu finden hat. Das alte Bild ist in meiner Erinnerung - das neue vor meinem Auge - was hat sich seit letztem Jahr verändert? Mir fällt bei dieser Gelegenheit auf, dass ich diese Küste mit all ihren Buchten, Biegungen, Felsen und Grasnarben so oft gesehen habe, dass ich wirklich oft kleine Unterschiede erkenne. Doch es gibt auch welche, die für jeden deutlich sind. Der Weg vom Hafen von Landrellec um die Landnase herum, gegenüber liegen die Île d'Aval und die Île Grande - ist schmal geworden, es fehlt zum Wasser hin ein Stück - und sogar ein Schutzzaun wurde einige Meter gezogen, ein Zeichen, dass es wirklich ganz schlimm um diesen Pfad gestanden haben muss.

Ganz schlimm hatte es auch wieder den kleinen Strand - die Grève Rose - getroffen. Meine Vermieterin hatte mir nach den Stürmen im Winter Fotos geschickt.
Die Wucht der Wellen haben auch die massive Natursteinblöcke unterspült.

Ende Dezember 2013 wurde der kleine Strand, der genau in Richtung Westen schaut, wieder richtig von den Brechern und dem Sturm getroffen.

Nun sind die Gärten mit den Sträuchern angenagt. 


Der Gartenzaun hat auch nachgegeben. Ah - und Hund Samba muss die Sache genau betrachten
Sandsäcke machen die Sache mal wieder höchst attraktiv. 
Das Chaos ist groß, die Grundstücke der Häuser oben werden kleiner.

Dienstag, 5. November 2013

Die Geschichte eines Strandes - Teil 1


Grève rose 2013 vor dem letzten Sturm


Grève rose vor März 2008

2008

An dem kleinen Strand zwischen der Grève Blanche und dem Plage de Toull Bihan in Trégastel knallen die Weststürme ungebremst auf das Festland, wenn sie bei ihrem Weg über den Atlantik in Europa angekommen sind.  Nichts verlangsamt ihre Kraft, auch die kleinen Felseninseln Île de Seigle und Île Tanguy rechts und links nur ein paar Meter vor der Küste bilden eher einen Trichter, als dass sie das Land schützen.
Der Wind hat über die Jahrmillionen einen Wall aus Sand auf dem Granit, der den Sockel der Bretagne bildet, aufgetürmt. Wie die Natur diesen Sandwall erschaffen hatte, hätte sie ihn irgendwann auch wieder zerstört, wenn nicht wie so oft der Mensch den Platz verändert hätte.
Traumhafte Lage direkt am Strand - vor März 2008
Eine kleine Mauer am Rand des Sandstrandes sorgte seit Jahrzehnten dafür, dass die Wellen sich an ihr brechen und nicht weiter ins Landesinnere vordringen konnten. Nur wenige Meter weg vom Absturz des Festlandes auf den Strand, oben auf dem festen Grund des Granits, waren – wie könnte es anders sein – sieben Häuser hingestellt worden, mit Blick auf das Meer. Die Sicht dort ist phänomenal. Jeder Feriengast, der diesen Teil der zerklüfteten Bucht besucht, wünscht sich, in einem dieser Häuser wohnen zu können, als Ferienhäuser sind sie während der Saison ausgebucht, die Besitzer können jeden Preis verlangen.
Doch ganzjährig will heute, 40 Jahre nach dem Bau, niemand mehr dort wohnen, an Touristen werden die Häuser hauptsächlich im Sommer vermietet. Wer als Tourist einen Herbststurm miterlebt, schätzt dies als Abenteuer. Im Winter lassen die Stürme die Wände erbeben, und das Pfeifen in den Fenstern macht den Genuss jeglichen Fernsehfilmes unmöglich. Weihnachten dort oben ist sicher romantisch, wenn man weiß, man reist wieder ab. Die Eigentümer, die noch das ganze Jahr im größten und schönsten der Häuser gewohnt hatten, verließen ihr Haus vor etwa 8 Jahren, um weiter im Landesinnern geschützt vor dem Wind und dem Lärm des Meeres zu leben. Und näher an den Cafés, wie eine der letzten Bewohnerinnen des Viertels aus einem Haus unterhalb des Felsens erklärte.

Sturmtief Johanna

Am 10. März 2008 gab es einen heftigen Sturm. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches für diese Jahreszeit, auch nicht in Verbindung mit der höchsten Springflut des Jahres. Jedes Jahr im Frühling und Herbst finden diese hohen Springfluten statt. Und oft gibt es gleichzeitig einen heftigen Sturm, der in anderen Teilen des Landes, im Binnenland, eine Katastrophe wäre. Aber am Atlantik und am Kanal ist das normal, die Häuser und Dächer sind entsprechend gesichert, Bäume wachsen nur an Stellen, die vom Wind geschützt sind.
Diese Sturmflut im März jedoch war selbst für die sturmerprobte Küste ungewöhnlich heftig. Der Sturm war eindeutig ein Jahrhundertsturm, die dazugehörige Flut entsprechend gewaltig. Die Wellen und der Wind zerstörten viele Küstenwanderwege, unterspülten Felsen und veränderten an einem Tag die Küstenlinie. Auch das Forum von Trégastel wurde schwer beschädigt. Dort wurde das Restaurant in Einzelteile zerlegt, und Meerwasser drang in das Schwimmbad ein. Noch im Herbst 2008 waren beide geschlossen. Im Jahr 2009 schließlich hatten wohl die Versicherungen bezahlt, und Schwimmbad und Restaurant konnten nach sorgfältiger Renovierung wieder geöffnet werden.

Montag, 21. Oktober 2013

Dimensionen eines Felsenweges



Im Reich der Trolle und Elfen

An der Küste von Plougrescant, zwischen dem Gouffre beim Castel meur, dem kleinen Haus zwischen den Felsen, und der Anse de Gouërmel mit Buguélés am anderen Ufer gibt es einen Abschnitt des GR 34, des Küstenpfades, der eigentlich ein Geheimnis bleiben sollte. Er ist so wunderschön, dass es schade wäre, wenn er überlaufen würde wie das kleine Haus oder le gouffre. Doch ich vermute, im Sommer ist auch dieser Abschnitt gut besucht, deshalb ist es egal, wenn ich von meinen Eindrücken im relativ menschenleeren Herbst berichte.
Porz Scarff - gegenüber Buguélés
In diesen Küstenweg kann man von zwei Seiten her hineingehen. Einmal vom Parkplatz am Castel meur und dann von Pors Scarff am anderen Ende, einem kleinen Fischerhafen, wie es viele in den seichten Buchten dieser Küste gibt.  
Porz Scarff  besteht aus wenigen Häusern. Dominierend ist ein Ferienheim für Familien, das aber im Herbst geschlossen ist. Außerdem gibt es einen „Vivier“, einen Fischer, bei dem es Meeresfrüchte, hauptsächlich Austern und Muscheln, zu kaufen gibt, die draußen in der Bucht gezüchtet werden. Außerdem stehen da noch ein paar Häuschen, wie immer geschlossene Ferienhäuser.
Bewacht den Zugang 
Vorgelagert auf der Südseite des Hafens liegt ein Anwesen, bei dem man wieder einmal hin und her gerissen ist, ob man vor Entsetzen den Kopf schütteln oder sich dem Neid ergeben soll. Auf der kleinen Landspitze steht in einem Park ein Haus zwischen den Felsen, nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Von der Lage her ist das Haus traumhaft. Aber wer nimmt sich das Recht, an der Küste direkt an den Felsen zu bauen?
Nördlich des Hafens ragt ebenfalls eine kleine Felsenspitze ins Meer. Dort ist der Parkplatz und dort beginnt der Weg in die Felsen, bewacht wird dieser Eingang vom Kaiser persönlich.

Der Felsenweg

Der Eingang in die andere Welt
Zuerst geht man einige Meter über einen Kieselweg. Und dann tritt man in eine andere Welt ein. Es ist, als schreite man durch ein Tor in eine andere Dimension, eine Phantasiewelt. Peter Jackson ging nach Neuseeland, um die richtige Kulisse für „Herr der Ringe“ zu finden. Dabei hätte er sie hier finden können.
Dramatik
Massive Kraft der Natur
Es sind nur 500 m, dieses Stück Küste, das einen in diese andere Welt entführt. Der Pfad ist nicht ganz einfach zu gehen, manchmal sogar etwas schwierig, vor allem wenn er zwischen den hohen Felsen hindurch führt, die entlang des Weges stehen. Einmal geht es durch den schmalen Spalt zwischen den Ungetümen hindurch. Im Boden befinden sich glatte Steine, vielleicht irgendwann einmal zu groben Stufen gehauen oder über die Jahrhunderte zurechtgetreten. Gehbehindert sollte man auf diesem Weg nicht sein.
Doch was man sieht ist so fantastisch, dass man am besten stehen bleiben sollte, um nicht auch noch zu stolpern, so sehr schweift der Blick über diese unglaubliche Landschaft und das Meer.

Kathedralen der Natur
Die Felsen türmen sich an Land und im Meer wie geheimnisvolle Burgen aus Sagen. Dazwischen liegen Felder aus Farn oder trockenem Gras, eingesäumt von Hecken.
Zwei Felsennasen gehen hinaus vom Weg Richtung Meer. Dort kann man sich hinsetzen und sinnieren, sich sonnen oder auch ein Buch lesen. Zu einem großen Felsen am Meer ist ein Pfad durch den Farn geschlagen. Auch dort kann man sich nun nach leichtem Klettern ausruhen, ohne eine Machete benutzen zu müssen.  



Wenn im Herbst nachmittags die Sonne tief steht und das Meer von Südwesten silbern färbt, glaubt man im Bild der Felszacken, die immer kleiner werdend ins Meer hinausführen, Tolkins Gestalten herannahen zu sehen.
Es könnte auch die Barke mit Merlin oder den Druiden dort auf dem glitzernden Wasser zwischen den schwarzen Schatten zu gleiten. Ich sehe die hohe Gestalt der Morgane herannahen. Die Dimension scheint sich verändert zu haben. Ich fühle mich in der anderen Welt, nicht mehr zugehörig zur Realität.

Sonntag, 15. September 2013

Degemer mat!

Breizh

Die Frage, die mir viele stellen: Warum treibt es dich seit vielen Jahren immer wieder in die Bretagne?
Antwort: Weil die Engländer meinen Hund nicht wollen - und ohne den fahre ich nirgendwo hin.
Inzwischen würden die Briten die Einreise des Hundes akzeptieren, aber na ja, nun hat mich schon die Bretagne mit ihrem Bann belegt. Zu spät, Briten...
Warum aber überhaupt keltische Länder? Das frage ich mich selbst. Ich bin hier zu Hause. Warum auch immer. Das war so, als ich zum ersten Mal britischen Boden betrat - ich war nach Hause gekommen. Das war 1970 und ich 17 Jahre alt. Seither ließen mich die britischen Inseln nicht mehr los. Später dann war mir der Hund wichtig - und ich musste die Inseln gegen die Halbinsel der Bretagne tauschen.  

Little and Great Britain 

In vielem sind sie sich ähnlich, die beiden Britannien dieseits und jenseits des Kanals. Keltisch waren sie beide. Zuerst besiedelten die Kelten auf ihren Wanderungen vom Süden her die Bretagne und mischten sich mit den vorigen Kulturen, wie sie es immer getan hatten - dann setzten sie über und machten dasselbe auf den Inseln. 
Die Römer überrannten die Kelten der Bretagne - bis auf jenes bekannte kleine gallische Dorf natürlich - und versuchten das auch auf den Inseln. Dort klappte das aber nicht so ganz. Und Hadrians Wall setzte dem Vormarsch endgültig ein Ende.
Nach der Zeitenwende kamen die Germanen. Wikinger, Angeln, Sachsen besetzten die größte Insel und benannte sie um - in Angelssachsen - Angelland - England. Die Kelten flohen über den Kanal und besiedelten die Bretagne ein zweites Mal. In der Zeit kämpfte König Artus und die Seinen gegen Drachen und Sachsen. Zauberer Merlin kam aus Klein-Britannien über den Kanal und mischte mit. Auf der Flucht vor den Germanen nahmen die Briten die Sagen mit und pflanzten sie zur Freude heutiger Touristen in der Bretagne ein. Die Saat wurde zuerst von den Romantikern des 19. Jahrhunderts und dann von deren Nachfolgern, den Tourismusverbänden, fleißig weitergegossen, was bis zu heutigen Straßennamen und Felsunterkünften einiger Sagengestalten führte. Artus, Viviane und Merlin wurden an mehreren Stellen gesichtet. Broceliande, der Wald bei Rennes, ist ein Zentrum der Mystik. Mein Hund Merlin konnte einst ans eigene Grab pinkeln. Auch im Wald von Huelgoat findet man Artus, Lancelot und Gwynivieve durch die Bäume streifen. Und dazwischen versuchen einige Inselchen sich als Avalon. Besonders die Île d'Aval neben der Île Grande bei Pleumeur Boudou könnte es sein, denn angeblich ist dort das Grab von Artus. Man muss nur entscheiden, ob er unter dem Kreuz oder dem Menhir liegt.
Die damaligen Briten waren bereits von Saint Patrick und seinen Kumpeln christianisiert, sodass die Bretagne eines der ersten Gebiete im Norden des Kontinents war, das christlich wurde. Diesem Fakt haben wir die unzähligen winzigen Kirchlein gleich neben Menhiren, an Quellen, auf den Felsvorsprüngen am Meer und auf Dolmen zu verdanken. 

Unter den geflohenen Kelten muss es einige eigentümliche Gestalten gegeben haben, denn sie siedelten genau auf diesen Stellen, wo heute die Kirchlein stehen, und taten Wunder. Manche einer unterhielt sich mit Tieren, ein anderer aß Zeit seines Lebens einen einzigen Fisch, der sich immer wieder regenerierte. Seltsame Dinge geschahen mit diesen Herren, die alle ganz alleine an diesen einsamen Stellen ihr Leben verbrachten. Eremiten waren es. Und sie waren heilig. 9999 soll es in der Bretagne geben. Rom ist nicht ganz dieser Meinung. Doch mit Rom hatten sie auch nicht viel am Hut. 
Die Kirchlein - und auch die neueren großen, imposanten Kirchen der Bretagne haben alle eines gemeinsam: Man findet einen Calvaire - ein Standbild, auf dem die Geschichte Jesus eingemeiselt wurde - und eine Quelle. Oft ein Menhir oder auch mal eine Krypta aus einem Dolmen. Die alten Stätten aus vor-keltischer Zeit, die megalithischen Stätten, wurden gerne in christliche Stätten einbezogen. Manchmal wurden die Menhire auch einfach in Kreuze umgewandelt. 
Massenhafte Steine, von Menschen dort hingestellt, gibt es in der Bretagne und in Großbritannien. Und überall sonst - wenn man sich für sie interessiert, findet man sie. Megalithische Stätten sind keineswegs auf "keltische Gegenden" beschränkt. Nur sind sie hier am bekanntesten. Der Menhir, der Dolmen, der Cairn - auch lateinisch Tumulus genannt - und schließlich der Cromlec'h, der Steinkreis, in dem Viviane Merlin gefangen hielt. Die Archäologen haben ihnen weltweit bretonische Namen gegeben. Den hohen Stein - Menhir. Den Dolmen - ein Gebilde aus drei Steine, zwei senkrechten, einer oben auf als Deckel. Der Cairn - ein Gebilde aus mehreren Steinen, senkrechten, die mit waagrechten bedeckt sind - und dann mit Erde und Steinen zu einem Hügel aufgeschüttet wurden. 
Es waren nicht die Kelten, wie gerne behauptet wird, die diese Gebilde schufen, sondern die Menschen vor ihnen. Die Kelten haben sie dann nur in ihre spirituelle Mystik, in ihre Kultur, mit eingebaut. Und Gräber aus Steinen zu bauen, das liegt in der Natur der Sache. 
Diese Steine und die Landschaft sind eins. Das ergibt die Keltische Landschaft, mit ihren hecken gesäumten Feldern, den Häuslein aus Granit, den zwei Kaminen, die die Häuslein so typisch machen - auf beiden Seiten des Kanals.
Sogar die Sprachen stammen voneinander ab. Bretonisch und Wallisisch - Welsh - haben wohl viele Ähnlichkeiten, so viele, dass sich die Menschen bis heute verstehen. Auch das ausgestorbene Cornish muss dem Bretonischen ähnlich sein. In wie weit Gälisch und Bretonisch verwandt sind, ist nicht ganz klar, offensichtlich haben sich diese Sprachen auseinander entwickelt. 
Doch den keltischen Sprachen auf beiden Seiten des Kanals ist ähnliches passiert: Sie wurden fast vernichtet. Englisch - diese Mischung aus Germanisch und Französisch mit einem Rest Keltisch - übernahm die Britischen Inseln. Französisch wurde den Bretonen von den französischen Besatzern aufgezwungen. Bis in die 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts war es auf den Schulhöfen verboten, Bretonisch zu sprechen. 
Seither aber hat sich etwas getan. Bretonisch wurde vor dem Untergang gerettet. Die Bretonische Kultur in Sprache und Musik wird gepflegt. Die Bretonischen Separatisten haben erreicht, dass mindestens im Westen die Straßenschilder zweisprachig und die Tafeln für Touristen auch in Bretonisch gehalten sind. 
Bretonisch ist keine klangvolle Sprache. Ich finde, sie klingt wie das Bellen eines Hundes. Aber egal wie sie klingt - es ist eine Sprache und sie muss erhalten werden. Und deshalb habe sogar ich einige Wörter gelernt - und bemühe mich, die bretonischen Ortsnamen den französischen vorzuziehen.  

Warum fasziniert mich diese Gegend so sehr?  

Nicht dass ich nicht andere Gegenden erforscht hätte. Besonders Frankreich kenne ich einmal rundum - und große Teile im Landesinneren. Doch die Bretagne ist es, wo ich sein möchte. Am Liebsten für immer. Das geht leider nicht, da ich keine Schriftstellerin bin, die es sich leisten kann, von dort aus zu arbeiten - und keine reiche Erbin, die die horrenden Immobilienpreise aufbringen kann.
Die Arbeit, die mein Leben finanziert und mir auch meine Aufenthalte in der Bretagne ermöglicht, muss ich in Deutschland ausüben. Deshalb bin ich dort gemeldet und lebe sogar ganz gerne in dem Dorf, das ich mir vor vielen Jahren ausgesucht habe - doch meine Sehnsucht liegt in der Bretagne.
Mancheiner würde sagen: Da muss wohl ein früheres Leben stattgefunden haben. Als Agnostikerin meine ich: Vielleicht - wer weiß?