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Samstag, 21. Oktober 2017

Geschichte eines Strandes - das Finale. Hoffentlich

2017

Es ist vollbracht. Die Böschung ist tatsächlich mit Steinen gesichert.
Bei der Ankunft im September

Grande Marée ist am Samstag, 7. und Sonntag, 8. Oktober. Zärtlich umspülen die Wellen die Steine.




Das Meer war unruhig, aber es gab keinen Sturm. 
Mit dem Sturm am 21. Oktober 2017 bei einem Koeffizienten von 92 und einer Tidenhöhe bei Hochwasser von 10 m beweist sich, dass die Steine ihren Zweck erfüllen. Hier einige Eindrücke beim Wasserhochstand am Morgen.

Der Wind ist heftig - die Gischt fliegt. Das Meer ist ziemlich unruhig. Doch die Sonne scheint.
Ist schon was schönes, so unruhiges Meer

Das Wasser kracht auf die Steine.
 Wären die Steine nicht an der Düne, wäre selbst bei diesem relativ harmlosen Sturm bei noch lange nicht dem höchsten Koeffizienten der Sand schon wieder weggespült worden.
Angriff und Abwehr
Nun hat es also 10 Jahre gebraucht, bis eine Lösung gefunden wurde, die Düne und damit auch die darauf stehenden Häuser zu schützen. 10 Jahre Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die städtischen Arbeiter, 10 Jahre Kosten für die Hausbesitzer. Und das, wo jeder Laie schon im ersten Jahr gesehen hatte, dass es keinen anderen Weg als diesen, der nun gefunden wurde, geben konnte.

Montag, 31. Oktober 2016

Die Geschichte eines Strandes - Teil 3


Fortsetzung des Dramas von 2014 bis 2016

Die Geschichte des kleinen Strandes geht weiter. Jedes Jahr ist es spannend, wie er sich wieder verändert hat.
Den schlimmsten Zustand hatte er im Jahr 2014 erreicht.

2014

Als ich am dritten Wochenende im September 2014 in Trégastel ankomme, ist das Wetter herrlich, as Meer ruhig und der kleine Strand unterhalb der sieben Häuser wunderbar aufgeräumt, eine Sandschicht liegt sauber über der Böschung. Wie eine Düne im Sonnenschein, könnte man meinen.

Nur der Abbruch am Rand oben erinnert an die Vergangenheit

Winter 2013/2014

Doch die Geschichte des kleinen Strandes hatte sich dieses Jahr mit einer Tragödie fortgesetzt.

Um den Jahreswechsel war ein Sturm nach dem anderen über die Bretagne gefegt. Selbst die Presse Deutschlands, sonst nicht sehr informationsfreudig, was Neuigkeiten aus der Bretagne angeht, berichtete über diese Wetterkapriolen. Ganze Städte wurden überflutet, da die Flüsse aus dem Landesinnern Hochwasser trugen. Und die Stürme zerstörten zusammen mit den Brechern aus dem Meer ziemlich viele Küstenwege.
Mir fällt irgendwann auf meinen Wanderungen entlang der Küste auf, dass die Landmasse der Bretagne abgenommen hat. Es fehlen Stücke. Sie waren damals während des Jahreswechsels wohl ins Meer gespült worden. In Landrellec fehlt der Amboss - das riesige, tonnenschwere Stück Felsen, das wie der Amboss einer Schmiede geformt war. Er ist einfach verschwunden. Und das Stückchen Halbinsel, vor dem er in dem Steinechaos gestanden hatte, durchaus immer mal wieder bei Hochwasser umspült, ist kleiner, der Grasstreifen sehr schmal geworden. Der Küstenweg zurück nach Trégastel hat sich ebenfalls wieder an einigen Stellen verändert. Es ist ein bisschen wie diese Bilder auf Rätselseiten - zwei identische Bilder mit kleinen Unterschieden, die man zu finden hat. Das alte Bild ist in meiner Erinnerung - das neue vor meinem Auge - was hat sich seit letztem Jahr verändert? Mir fällt bei dieser Gelegenheit auf, dass ich diese Küste mit all ihren Buchten, Biegungen, Felsen und Grasnarben so oft gesehen habe, dass ich wirklich oft kleine Unterschiede erkenne. Doch es gibt auch welche, die für jeden deutlich sind. Der Weg vom Hafen von Landrellec um die Landnase herum, gegenüber liegen die Île d'Aval und die Île Grande - ist schmal geworden, es fehlt zum Wasser hin ein Stück - und sogar ein Schutzzaun wurde einige Meter gezogen, ein Zeichen, dass es wirklich ganz schlimm um diesen Pfad gestanden haben muss.

Ganz schlimm hatte es auch wieder den kleinen Strand - die Grève Rose - getroffen. Meine Vermieterin hatte mir nach den Stürmen im Winter Fotos geschickt.
Die Wucht der Wellen haben auch die massive Natursteinblöcke unterspült.

Ende Dezember 2013 wurde der kleine Strand, der genau in Richtung Westen schaut, wieder richtig von den Brechern und dem Sturm getroffen.

Nun sind die Gärten mit den Sträuchern angenagt. 


Der Gartenzaun hat auch nachgegeben. Ah - und Hund Samba muss die Sache genau betrachten
Sandsäcke machen die Sache mal wieder höchst attraktiv. 
Das Chaos ist groß, die Grundstücke der Häuser oben werden kleiner.

Samstag, 25. Oktober 2014

Pointe Primel

Rechts vor der Landmasse sind die Felsen der kleinen Halbiinsel Pirmel zu erkennen

Über die Grenze nach Finistere 

Ein Nachteil hat die Côte Granite Rose - es dauert immer etwas, von ihr wieder wegzukommen.
Eigentlich will man ja gar nicht weg - sie ist so schön - aber manchmal hat man halt doch Lust, noch andere Gegenden kennenzulernen.

Besonders der Weg nach Westen, der zuerst einmal nach Süden führt, ist etwas langweilig, wenn man ihn jedes Mal fahren muss, um zu einem der Orte zu gelangen, die die Bretagne südlich und westlich des Trégor zu bieten hat.
Von Trégastel nach Lannion ist ja schon so eine Sache - ein schmales Sträßchen windet sich zuerst den Berg hinauf, dann durch Felder und schließlich durch kleine Weiler am Flughafen vorbei und über mehrere Kreisverkehre, die die Fahrerin mal mindestens aus dem Dämmerschlaf der Langeweile reißen.
In Lannion am ersten Kreisverkehr rechts - gegenüber die attraktiven Blöcke des Kommerzes - Supermarkt, Möbelladen, wieder ein Kreisverkehr, zweispurig - gegenüber ein Elektroladen, ein Klamottenladen, noch ein Klamottenladen, Schuhe gibt es auch - noch ein Supermarkt und das Etablissement einer Hamburgerkette gleich neben einer Filiale des frankreichweiten Steakhouses, das auf Wild West getrimmt ist.
Hinunter zum Fluss Léguer, bei Ebbe nur aus schwarz-schimmerndem Schlicker bestehend. Schöner ist es bei Flut, wenn der Fluss ein Fluss ist. Dann am Kreisverkehr rechts, gleich darauf gerade aus hinüber - beides in feinster verkehrstechnischer Anarchie - und hinauf wieder den Berg, netterweise kurz zweispurig, falls ein langsames Fahrzeug die Steigung nicht schafft. Oben wieder ein Kreisverkehr - noch einer, wieder Supermärkte und andere Tempel des Kommerz, Werkstätten, ein Küchenausstatter. Schließlich ein neuer Kreisverkehr. Und ein Menhir mitten auf einer Wiese. 
Dann schlängelt sich die Straße hinunter ans Meer - die Bucht von Saint Michel-en-Grève, da, wo die grünen Algen berühmt wurden, als ein Pferd starb und Menschen keine Luft mehr bekamen. Das ist einige Jahre her, der Strand ist weiterhin manchmal grün, doch jetzt im Herbst hatten die Bemühungen der großen Maschinen, die Algen zusammenzuschieben, Erfolg - es ist zu kühl für neue - bis zum nächsten Jahr.
Saint Michel-en-Grève aus der Bucht heraus
Hinauf geht es - und am Beginn von Plestin-les-Grèves rechts ab, die Küstenstraße entlang. Dem Navi gefällt das nicht, es weist mich an, zurück auf die große Straße zu fahren, aber das ficht mich nicht, ich bin es gewohnt, mit ihm im Clich zu stecken.
Die Straße macht einen Bogen wieder hinunter zu der Bucht und die Grenze zum Finistere - dem westlichsten Departement der Bretagne, nach dem dann nur noch die Île Ouessant vor dem nördlichen und die Île de Sein vor dem südlichen Teil liegen, danach die endlose See - der Atlantik - bis irgendwann Amerika.

Finistere - das Ende des Landes.

Nun ja, bis dahin dauert es noch etwas, etwas über 100 km sind es, bis nur noch ein Sturz in den Atlantik möglich ist, bis zum westlichsten Punkt des Kontinents. Richtung Norden sind es nur ein paar Meter bis zum Meer - dem Kanal.
Die Straße führt durch Locquirec, einen kleinen hübschen Ort, der sich an die Kurve der Bucht von Lannion schmiegt und hinüber zur Mündung des Léguer schaut. Ich nehme natürlich die Straße hinunter zum Hafen, wenigstens einmal muss ich hier durchgefahren sein.
Nach Locquirec geht rechts die Rue de la Corniche ab, ein kleines Sträßchen mit vielen Aussichtspunkten oben auf den Klippen. Der Wanderweg GR34 zieht sich hier in den Klippen entlang, sehr spannend für Leute mit Höhenangst - aber wunderschön, sicher eine der schönsten Etappen, wenn man die Bretagne zu Fuß umrundet.
Das Meer liegt in seinen unendlichen Farbtönen vor mir, vom tiefsten Blau bis zu lichtem Türkis, . Davor die roten Klippen mit dem Farn, jetzt im Herbst rotbraun, im Frühjahr und Sommer grün.
Die Straße geht hinunter bis fast ans Meer - eine kleine Bucht mit einigen Häusern, in einem ein Café mit Bibliothek. Hier leben viele Engländer. Die alten Bauern- und Fischerhäuser scheinen von den Briten aufgekauft worden zu sein. Oben auf den nächsten Klippen stand im vorigen Jahr ein ganzer Weiler zum Verkauf, in dem Briten gelebt hatten. Die Krise hat sie anscheinend zurück über den Kanal geschickt.
Hinauf geht es, etwas hinein ins Land, vorbei an riesigen Gewächshäuserm mit Tomaten und Erdbeeren, an Artischockenfelder. Intensivlandwirtschaft - der Leon ist nicht mehr weit.
Eine kleine Kirche war vor einigen Jahren noch eine Ruine, jetzt ist sie wieder hergestellt. Wie ich vermute durch die Initiative einiger Anwohner, wie es oft der Fall ist, bei Mühlen, Kirchen und ähnlichen alten und zerfallenen Gebäuden. Das ist eine Sache, die mir sehr gefällt: Patrimoine - kulturelles Erbe - wird durch die Bürger gerettet - und nicht von Staats wegen. Kurz nach einer kleinen Senke führt ein schmales Sträßchen nach Rechts zur Steilküste. Beg an Fry heißt die Felsennase, von der man einen herrlichen Blick über die Bucht von Lannion hat. Die Farben der Bretagne breiten sich über das Meer und die Küste aus. Ein atemberaubender Platz. Der Wanderweg führt auch hier vorbei - man sollte wirklich keine Höhenangst haben und gut klettern können. 
Beg-Fry
Die Straße windet sich wieder an der Steilküste entlang, der Ausblick ist fantastisch. Ausweichplätze geben die Möglichkeit, anzuhalten und den Ausblick zu genießen und vor allem zu fotografieren. Im Westen sehe ich einen Felsenhaufen vor der Landmasse des Kontinents ins Meer hinausziehen. Mein Ziel: Primel-Trégastel, die schmale Nase des Pointe Primel mit seinem charakteristischen Kugelfelsen auf der Meeresseite.
Schließlich geht es abwärts zum Strand von Plougasnou. Links liegt Saint-Jean-du-Doigt mit seiner Enclos Paroissial, seiner Kirche mit umfriedetem Pfarrbezirk und Calvaire. 
Hinauf führt die Straße nach Plougasnou, an der Kirche vorbei, wie immer ein imposantes Gebäude, und auf der anderen Seite hinaus, bis ein Schild scharf nach rechts weist. Eine schmale Straße, an der an einigen kurvenreichen, steilen Stellen möglichst kein Wohnmobil entgegenkommen sollte, führt hinunter nach Primel und dort am langen weißen Strand entlang. Ferienhäuser stehen an der Straße, einige im Stil des Art Decor, wie so viele der älteren Häuser an der Küste. 
Es gibt zwei Möglichkeiten, auf die Halbinsel des Pointe Primel zu gelangen. Einmal gibt es den Parkplatz direkt von der Durchfahrtstraße am Ende des Kais, von wo aus dann ein breiter, gut begehbarer Weg auf die Halbinsel führt. Man kann auch entlang der Küste auf einem schmalen Pfad gehen, muss dann aber über den Felsen klettern.

Ich biege zum Campingplatz ab, der nun im Herbst geschlossen ist. Es ist ein camping muncipal,für Zelte und Wohnwagen bzw. Wohnmobile, keiner der großen Plätze mit Mobilhomen und Animationen. Wäre ich Camper, würde ich ihn lieben. Gegenüber ist ein Parkplatz.

Le Poudrière
Und auf der anderen Seite der Wiese der Felsen mit einer künstlichen Höhle, der Poudrière - es war Pulver hier gelagert gewesen, um die Granitsteinbrüche zu brechen. Später lagerte dann Munition der Deutschen darin. Heute scheinen hier heidnische Riten abgehalten zu werden. Druidenrituale werden an einigen Plätzen der Bretagne, die eine besondere Ausstrahlung haben, abgehalten. Der Kraft dieses Platzes - der ganzen Halbinsel -  kann man sich nur schwer entziehen.
Le Poudrière

"Wenn Sie diesen Ort wirklich kennenlernen wollen, müssen Sie einfühlsam und erkundungsfreudig sein", meint ein bretonischer Wanderratgeber.

In der Nähe sieht man auch noch Reste eines Aufstiegs zu einem Schloss aus dem Mittelalter. Wenn man genau auf den Boden schaut, kann man die Aufteilung der Räume erkennen. Im 17. Jahrhundert wurden die Mauern beschossen, um den Briganten Guy Eder de la Fontenelle gefangen zu nehmen.

Der Wall mit dem Wachhaus
Von hier sieht man den Wall, der sich quer über die Halbinsel von der Anse de Diben bis zur Anse de Primel auf der Ostseite zieht. Der Felsenwall ist Natur. Von oben hat man einen Rundblick in weite Ferne. Und er bietet einen großartigen Schutz vor Feinden aus dem Festland, wenn man sich auf der Ebene zwischen Wall und dem runden Felsen aufhält. Schon deshalb ist klar: Dieses Halbinselchen hatte immer strategische Bedeutung.
Besiedelt war die Halbinsel seit 7000 Jahren. Sie war nicht nur Zuflucht, sondern auch strategischer Posten. Die Überreste, die man fand, sind größtenteils von Befestigungen und Forts. Zu jeder Zeit war es ein Beobachtungsposten für die Überwachung der Küste von Morlaix bis Lannion.

Auf dem Wall
Den Wall mit dem Wachhäuschen kann man erklimmen. Ein Pfad über Geröll und Felsen führt fast gerade hinauf. Er teilt sich irgendwann, ein Weg geht nach links ab, er scheint einfacher zu sein, ich bin ihn nie gegangen, denn wenn ich hier schon hinaufklettere, dann auch zum Wachhäuschen. Oben angekommen bin ich stolz, es geschafft zu haben - und fasziniert von dem Blick, der sich mir bietet.
Im Westen Diben mit seiner Bucht und dem Hafen, im Osten sehe ich ganz in der Ferne die Küste mit der Mündung des Léguers, Trébeurden und links, das muss die Île Grande oder besser die Inselchen daneben sein. Nach Norden streckt sich unterhalb des Walls eine Art Fläche mit Hindernissen. Sie ist nicht eben, ein Felshaufen befindet sich noch an ihrer rechten Seite, doch gegenüber ist jener große runde Felshaufen, der von Weitem dem Pointe Primel sein typisches Aussehen gibt.
Der Pfad führt durch den hohen Farn über Felsen hinunter, er ist jedoch nicht so schwierig wie der Weg auf der anderen Seite.

Die Ebene steigt gegen den großen Felsen am Ende leicht an.
Sie wurde im 17. Jahrhundert von Vauban nivelliert, der dort eine Batterie Kanonen installierte. Sie ist am Rand trotz der heutigen Vegetation noch deutlich zu erkennen. Teilweise führt der Pfad ans Ende auf einem Wall entlang.
Und als der Farn endet, ist das Gras nur milimeter hoch, die Erde drückt hindurch, das typische
Die Erosion ist hier deutlich zu sehen. 
Zeichen für die Erosion. Der Krumen, verdichtet durch die vielen Füße der Touristen und nicht durch Bewuchs gesichert wird durch Wind und Wetter abgetragen.

Le Gouffre
Und dann endet die kleine Ebene abrupt an der Gouffre. Senkrecht geht es hinunter. Unten tobt das Wasser - wenn Hochwasser ist. Bei Ebbe ist der Grund felsig. Man sollte nicht zu freudig über diese kleine Ebene toben, man könnte nicht mehr rechtzeitig anhalten. Und dann gibt es nur noch den freien Fall.
Gouffre westliches Ende
Die Natur hat hier ein Glanzstückchen geleistet, in dem dieser Felsen vom Rest durch diese schmale Schlucht abtrennte, die wirklich von der eine Bucht zur anderen reicht, gerade wie mit dem Lineal gezogen. Ich kann nicht an den Rand stehen, der Abgrund macht schwindelig. Ich muss mich an dem Felsen, die links den Rand der Gouffre bilden, abstützen, um wenigstens etwas in die Tiefe schielen zu können. Und ich gerate in Panik, als ich den Hund am Rand sehe, wie er neugierig in die Tiefe schaut.
Gouffre östliches Ende
An einer Stelle scheinen wagemutige hinunterklettern zu können. Ich habe mir sagen lassen, da sei auch ein Seil gespannt. Doch viele tun es sicher nicht. Auf der anderen Seite sieht man auch einen Pfad hinaufführen. Doch eigentlich ist dieser Felsen gegenüber, auf der anderen Seite der Schlucht, ein sicherer Platz für die Seevögel.
In den 1920er Jahren installierten hier die Poupon Brüder, Hoteliers, eine Brücke für Touristen, erklärt der Wanderratgeber. Die Lage der Brücke ist noch sichtbar, wenn man die Felswand genau anschaut.

Am Ende der Spitze befindet sich ein tiefroter Stein. Diese Farbe würde bezeugen, Nach dem Archäologen François Le Gall würde diese Farbe auf ein Leuchtfeuer, das wie ein Leuchtturm wirkte, hinweisen. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Wächter in einer kleinen Steinhütte lebten, von der nur noch Reste zu finden sind.
Saint Pol de Leon

Ich setze mich eine Zeit lang in die Felsen nach Westen und schaue über die Bucht von Morlaix. Gegenüber sehe ich die drei Türme von Saint Pol de Leon, rechts davon Roscoff - ein weißer Block liegt dort vor der Küste, die Fähre nach England oder Irland. Am Ende der Landmasse liegt die Île de Batz.
Der Rückweg führt mich nicht mehr über den Wall. Es gibt drei Möglichkeiten, auf diesen Platz zu kommen - die zwei Wege über den Wall und dann noch auf der Ostseite am Wall vorbei. Dieser Weg ist durchaus auch für Leute, die nicht so sicher auf ihren Füßen sind, zu meisten. Gutes Schuhwerk sollte man auch hier haben.
Die Felsbarrikade von der anderen Seite
Ein kleiner Pfad um einen Felsen hier herum, den ich immer gerne gegangen bin, ist für mich nun blockiert. Auch hier haben die Winterstürme die Küste abbrechen lassen. Ich komme an dieser Stelle nicht mehr weiter. Ich setze mich dennoch eine Zeit in eine windgeschützte Ecke und schaue hinüber zum Trégor, bis ich dann zurück auf den Hauptweg um den großen Wall herum gehe. Bevor ich aus dessen Schatten trete, sehe ich unten am Strand den Menhir. Ich entscheide mich, ihm einen Besuch abzustatten und dann direkt am Meer über die Kieselsteine zurück zum Parkplatz zu gehen.
Der Menhir

Am eigentlichen Weg stehen vor einem kleinen Abstieg über einen Steinhaufen zwei aufrechte Steine am Weg. Sie markieren den Eingang zu einer "Allée Couverte", einem megalithischen Bauwerk, das aus senkrechten Steinen, die mit waagrechten Platten überdacht sin, besteht. Oft fehlen diese Überdachungen heute, denn viele diese megalithischen Stätten waren als Baumaterial zerstört worden.
Allee couverte
Die Legende besagt, es sei das Bett einer Sirene, die Schiffe an die Felsen lockte. Sie wurde von Prim Aëlm, einem guten Engel, getötet, was dem Ort seinen Namen gab. Ganz prosaisch handelt es sich aber wohl eher um ein Grab aus der Jungsteinzeit.
Auf dem Weg zum Parkplatz dann noch ein Geheimnis dieses Ortes. In den massiven Farnen erinnert etwas erhöht ein Busch an die Kapelle Saint-Dominique mit dem sie umgebenden Friedhof vom Anfang des letzten Jahrhunderts.

Sonntag, 21. September 2014

Sonntag

Am Sonntag ist die Tide so, dass nachmittags Wasser in der Bucht ist. Also kann ich nicht meine übliche erste Inspektion der Inselchen unternehmen. Deshalb fahre ich nach Landrellec.

Es ist Sonntag - Tag der Jogger. Ein etwas schwieriges Unterfangen mit dem jungen Hund, der jede Begegnung überschwänglich begrüßen will und mit Hunden am liebsten mitlaufen würde. Ich nutze die lange Schleppleine, doch zwischen den Felsen und Wurzeln kann die problematisch sein, denn sie verhakt sich gerne. Außerdem muss ich noch mehr als sonst darauf achten, wo ich hintrete. Die Leine hat die nette Angewohnheit, sich um meine Knöchel zu schlängeln, auch eine sehr nette Sache, wenn man gerade auf unsicherem Grund geht. Die erste Begegnung haben wir da, wo der Pfad oberhalb eines kleinen Strandes über einige Steintreppen in einen Tunnel aus Gestrüpp führt. Doch dieser Aufgang und der Tunnelweg sind gesperrt, Resultat der Unwetter weiß ich sofort. Später sehe ich, dass das Wasser den Weg unterspült hatte. Also muss ich hinunter auf den Sand, was eine kleine Kletterei bedeutet. Und genau in dem Moment höre ich Keuchen hinter mir. Ich schnappe mir, schon halb auf den Steinen, die gelbe Leine, um den Hund daran zu hindern, den Jogger zu belästigen. Ich schaffe es, ohne dass ich in die Tiefe gezogen werde. Der Jogger hüpft hinunter, über den Strand und gegenüber wieder zurück auf den Weg. Ich hänge noch immer auf halber Höhe. Da kommen die nächsten, ein Paar, auch joggend, dieses Mal mit Hund. Und das bedeutet, der meine will hinterher. Ich hänge noch immer halb in den Steinen. Ich halte den Hund, die Leute samt ihrem Tier rennen weiter und verschwinden um die Ecke. Dann kommen Leute entgegen. Ich heule nun fast. Das kann doch nicht sein! Ich laufe oft hier ohne auch nur einen einzigen Menschen zu sehen, und ausgerechnet heute und hier nun das! Ich halte den Hund, der immer noch hinter dem verschwundenen Freund herhechten will. Die Leute verschwinden hinter mir. Ich lasse los, um endlich den Abstieg sicher machen zu können. Mein Hund samt Leine verschwindet hinter den Joggern mit Hund her.
Und bis ich wieder auf dem Weg oben bin, kommt mir die Frau entgegen, mein Hundchen an der Leine führend. Sie grinst. Er ist als junger Hund zu erkennen, trotz seiner Größe. Und Franzosen lieben Hunde. Ich entschuldige mich, bin aber sehr wütend. Die nächste Etappe muss mein Pubertierender in strenger Disziplin bei Fuß an der Leine gehen, was ihm nicht im geringsten gefällt. Beeindruckt ist er ohnehin nicht. Er findet das Leben viel zu schön.


Wir laufen durch les landes - die Heide - das Innere von Landrellec. Ich will über die Wiese mit den Dolmen zurück an die Küste. Doch der Farn ist noch nicht gemäht. Ich gehe trotzdem hindurch, den Pfad mit Mühe erkennend. Neben Farn gibt es dort auch Brombeerranken - und viele Spinnen. Der Hund bleibt dicht hinter mir, er ist unterhalb der Blätter, doch ab und zu macht auch er Bekanntschaft mit den Brombeerstacheln. Ich beschließe, hier erst wieder zu gehen, wenn der Farn gemäht ist.
Am Uferweg dann muss der Hund wieder streng bei Fuß gehen, denn inzwischen sind zwar die Jogger beim Frühstück, aber die Schlenderer sind unterwegs.

Den Nachmittag verbringe ich auf der Liege im Garten, während draußen auf dem Parkplatz und unten am Strand die Hölle los ist.

Mittwoch, 6. November 2013

Die Geschichte eines Strandes Teil 2


2010

Rettungsversuche
Mitte September 2010 war die Böschung dann völlig unterspült, fast bis zu den Gartenmauern war der Sand heruntergebrochen, es war nun kein schräger Hang mehr, sondern eine senkrechte Klippe, aus der Sand rieselte und von der jeder Zeit wieder große Stücke abbrechen konnten. Von der geraden Fläche, die die Gärten der Häuser bildeten, ging es vor den Mauren fast senkrecht in die Tiefe, von Pflanzen oder Rupfen war nichts zu sehen.
Attraktive Verschönerung
Der Fels unter dem Sand war noch immer nicht erreicht. Die Frage war: waren die Gartenmauern bereits auf dem Fels oder auch nur auf Sand gebaut? Noch waren die Gartenmäuerchen unbeschädigt, nur ganz links waren einige rosa Granitquader, die den Hang unterhalb der Mauern abstützen sollten, in Schräglage geraten, würden in Kürze herunterbrechen. Die Struktur des Sandhangs war die eines Felsabbruchs, wild und extrem gefährlich für diejenigen, die dort meinten herumklettern zu müssen.
Ein Band entlang des Strands hielt mit dem Hinweis auf die Gefahr die Menschen auf Abstand.
In den letzten beiden Wochen des Septembers füllten nun drei Arbeiter mit einem kleinen Bagger erneut Sandsäcke ab und stapelten sie unten am Abbruch der Böschung hinter der Absperrung. Immerhin schafften sie am Tag so etwa 8 bis 10 Säcke in unglaublicher Geschwindigkeit, indem zwei den Sack hielten, während der dritte den kleinen Bagger bediente und Sand in die weißen Tüten schaufelte – auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Die Situation im November 2010
Als die Reihe der Sandsäcke vom einen Ende an der Ecole de voile bis zum anderen Ende des Strandes am großen Felsen geschlossen war, begannen Anfang Oktober die drei Arbeiter mit ihrem Bagger eine neue Reihe Sandsäcke aufzufüllen, die sie vor der bereits bestehenden Reihe stapelten. Dieses Mal waren es nicht nur einzelne Säcke, die wie die Soldaten nebeneinander standen, sondern eine weiter Plastikfolie wurde über sie gezogen, um sie zu verbinden. Eine interessante Konstruktion, besonders da dann auch noch Sand auf die Säcke geschaufelt wurde.
Die nächste Springflut im Oktober fand ausnahmsweise ohne Sturm statt. 


Wie die Touristen im Sommer stapeln sich die Säcke
Auch wenn ein Baum in Landrellec über die Klippe gekippt ist, woran der Wind der letzten Tage sicher beteiligt gewesen war, blieben bis zur Abreise der Chronologin die Herbststürme aus. Am Abreisetag wird zum letzten Mal in diesem Herbst die Springflut auf einen Koeffizienten von 101 steigen, was aber noch lange nicht in die Nähe der höchsten Flut mit dem Koeffizienten 116 kommt, die im März stattgefunden hatte. Vermutlich wird auch der nächste März wieder eine solch hohe Flut bringen – vielleicht dann mit Sturm. Ob dann diese großartige Zierde von  sorgfältig platzierten Sandsäcken das weitere Abbrechen der Klippe verhindern können, darf mit dem gesunden Menschenverstand derer, die keine Gelder von der EU oder aus Paris erhalten, bezweifelt werden. Eine Fortsetzung dieser Geschichte des kleinen Strandes ist damit in jedem Fall zu erwarten. 

September 2011

Der erste Blick über den Felshaufen zeigt: Nichts hat sich geändert. Die Sandsäcke stehen noch wie letztes Jahr. Die Attraktion des kleinen Strandes bilden weiterhin die Reihen der Sandsäcke. Allerdings sind sie inzwischen etwas zerzaust, Stürme und Grande Marée der letzten Monate sind nicht spurlos an ihnen vorübergegangen.

17. Oktober 2011 – ein denkbarer Tag in der Geschichte des Strandes.


Gefahr - Zugang verboten
Der Zugang ist gesperrt. Ein Gitter verhindert das Betreten des Strandes vom Felsen her – vermutlich ist auch der Zugang an der Segelschule verboten. Ein großes Schild verkündet: „Gefahr!“ Besonders interessant ist das, wenn man wie die Schreiberin dieser Zeilen den Nachmittag während Niedrigwasser auf dem Meeresboden zwischen und auf den Inseln vor der Bucht verbracht hat und eigentlich auf dem Heimweg plötzlich von der hinteren Seite des Gitters überrascht wird, das einem am Verlassen des Strandes hindert. Zum Glück ist man des Kletterns mächtig und umgeht das Gitter über den Felsen.
Sand wird umgewälzt
Am nächsten Morgen schallen dumpfe Geräusche vom Strand herauf, die eindeutig nicht das Rauschen der Wellen im heftigen Wind sein können. Da die Sonne inzwischen erst um etwa 8:30 Uhr aufgeht, ist es noch ziemlich düster, als der Hund seine Morgenrunde drehen will, die ihn über den Felsen auf den Strand führt, wo er seine ersten Geschäfte verrichten möchte, die spätestens in einer Woche beim nächsten Grande Marée im Meer verschwinden werden. Am Zugang zum Strand ist das Gitter umgefallen, doch der Hund bleibt entsetzt stehen. Auf dem Strand dröhnen Ungeheuer mit leuchtenden Augen. Drei LKW, ein Bagger, alle mit Scheinwerfer an, beschäftigen sich mit den Sandsäcken.
Nachmittags ist dann von der anderen Seite der Bucht, wo die tägliche Runde über den dortigen Küstenweg und durch die Heide im Innern stattfindet, zu erkennen, dass die Reihe der Sandsäcke aufgelöst und die Säcke zu kleinen Gruppen zusammengestellt worden war. Was am Abhang unterhalb der Häuser stattgefunden hat, ist auf die Entfernung nicht genau zu erkennen.
Ein paar Tage später wird eine Plane über den Hang gezogen, Rupfen vermutlich, um den Hang zu stabilisieren und den Pflanzen die Möglichkeit zu geben, sich anzusiedeln. Hatten wir das nicht schon?

Grande Marée Ende Oktober, kurz von Toussaint – ob alle Heiligen das wohl beobachten und ob Sainte Anne – der hier mal mindestens eine Kirche geweiht ist – oder Saint Samson, der überall seine Spuren hinterlassen hatte, helfen können? Am Freitag soll der höchste Stand des Hochwassers erreicht werden. Am Donnerstag weiht morgens vor Sonnenaufgang der Hund den neuen Abhang ein, indem er hinaufspringt und seinen Haufen ganz oben setzt, innerhalb der Absperrung. Unten war das Wasser, das bereits wieder am Ablaufen war, bis zum Hang vorgedrungen und hatte die ersten Spuren hinterlassen. Der Sand war weggebrochen, etwa in der Mitte schon wieder ein gutes Stück abgerutscht. Auch dieses Grande Marée wird ohne heftigen Sturm ablaufen, somit wird dieses Meisterwerk den Herbst wohl überleben. Doch der nächste Sturm kommt – und das nächste Grande Marée auch – spätestens im Frühjahr.

Dienstag, 5. November 2013

Die Geschichte eines Strandes - Teil 1


Grève rose 2013 vor dem letzten Sturm


Grève rose vor März 2008

2008

An dem kleinen Strand zwischen der Grève Blanche und dem Plage de Toull Bihan in Trégastel knallen die Weststürme ungebremst auf das Festland, wenn sie bei ihrem Weg über den Atlantik in Europa angekommen sind.  Nichts verlangsamt ihre Kraft, auch die kleinen Felseninseln Île de Seigle und Île Tanguy rechts und links nur ein paar Meter vor der Küste bilden eher einen Trichter, als dass sie das Land schützen.
Der Wind hat über die Jahrmillionen einen Wall aus Sand auf dem Granit, der den Sockel der Bretagne bildet, aufgetürmt. Wie die Natur diesen Sandwall erschaffen hatte, hätte sie ihn irgendwann auch wieder zerstört, wenn nicht wie so oft der Mensch den Platz verändert hätte.
Traumhafte Lage direkt am Strand - vor März 2008
Eine kleine Mauer am Rand des Sandstrandes sorgte seit Jahrzehnten dafür, dass die Wellen sich an ihr brechen und nicht weiter ins Landesinnere vordringen konnten. Nur wenige Meter weg vom Absturz des Festlandes auf den Strand, oben auf dem festen Grund des Granits, waren – wie könnte es anders sein – sieben Häuser hingestellt worden, mit Blick auf das Meer. Die Sicht dort ist phänomenal. Jeder Feriengast, der diesen Teil der zerklüfteten Bucht besucht, wünscht sich, in einem dieser Häuser wohnen zu können, als Ferienhäuser sind sie während der Saison ausgebucht, die Besitzer können jeden Preis verlangen.
Doch ganzjährig will heute, 40 Jahre nach dem Bau, niemand mehr dort wohnen, an Touristen werden die Häuser hauptsächlich im Sommer vermietet. Wer als Tourist einen Herbststurm miterlebt, schätzt dies als Abenteuer. Im Winter lassen die Stürme die Wände erbeben, und das Pfeifen in den Fenstern macht den Genuss jeglichen Fernsehfilmes unmöglich. Weihnachten dort oben ist sicher romantisch, wenn man weiß, man reist wieder ab. Die Eigentümer, die noch das ganze Jahr im größten und schönsten der Häuser gewohnt hatten, verließen ihr Haus vor etwa 8 Jahren, um weiter im Landesinnern geschützt vor dem Wind und dem Lärm des Meeres zu leben. Und näher an den Cafés, wie eine der letzten Bewohnerinnen des Viertels aus einem Haus unterhalb des Felsens erklärte.

Sturmtief Johanna

Am 10. März 2008 gab es einen heftigen Sturm. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches für diese Jahreszeit, auch nicht in Verbindung mit der höchsten Springflut des Jahres. Jedes Jahr im Frühling und Herbst finden diese hohen Springfluten statt. Und oft gibt es gleichzeitig einen heftigen Sturm, der in anderen Teilen des Landes, im Binnenland, eine Katastrophe wäre. Aber am Atlantik und am Kanal ist das normal, die Häuser und Dächer sind entsprechend gesichert, Bäume wachsen nur an Stellen, die vom Wind geschützt sind.
Diese Sturmflut im März jedoch war selbst für die sturmerprobte Küste ungewöhnlich heftig. Der Sturm war eindeutig ein Jahrhundertsturm, die dazugehörige Flut entsprechend gewaltig. Die Wellen und der Wind zerstörten viele Küstenwanderwege, unterspülten Felsen und veränderten an einem Tag die Küstenlinie. Auch das Forum von Trégastel wurde schwer beschädigt. Dort wurde das Restaurant in Einzelteile zerlegt, und Meerwasser drang in das Schwimmbad ein. Noch im Herbst 2008 waren beide geschlossen. Im Jahr 2009 schließlich hatten wohl die Versicherungen bezahlt, und Schwimmbad und Restaurant konnten nach sorgfältiger Renovierung wieder geöffnet werden.

Freitag, 1. November 2013

Île aux Lapin



Île aux Lapin
Die Insel der Kaninchen – wenn man sie genau anschaut, ahnt man, wie sie zu ihrem Namen kam. Zwei der riesigen Granitfelsen sind wie Kaninchenohren geformt. Allerdings ist sie auch mit Kaninchenlöchern durchsiebt. Diese winzigen kleinen Tierchen sind in der Bretagne überall am Meer zu finden.
Felsenchaos mit Ohren
Die Insel liegt nur wenige Meter vom Festland, von der Ecke der Grève Blanche, an der die Segelschule steht, entfernt. An dieser Ecke des Strandes ist ein kleiner Felsenhaufen, von dem aus auf der anderen Seite ein Damm aus Sand und kleinen Steinen zur Insel hinüberführt. Dieser Damm ist noch lange begehbar, wenn das Wasser aufläuft. Bei niederen Koeffizienten ist er nur kurze Zeit ganz überflutet.
Das Wasser nähert sich von beiden Seiten
Ich habe schon Touristen schockiert, weil ich noch hinüber zur Insel ging und auf sie hochkletterte. Sie standen an dem Felsenhaufen am Beginn des Dammes und starrten entsetzt zu mir hinüber. Offensichtlich konnten sie die Tide nicht einschätzen. Doch ich bin schon so oft hier gewesen, dass ich weiß, wie lange es dauert, bis der Damm überflutet wird. Auch weiß ich genau, wo das Wasser sich von beiden Seiten hier trifft und habe oft zugeschaut, wie es steigt und schließlich zusammenfließt. Bei diesem Spiel ist es nur wichtig zu beachten, dass dieser Punkt sich von einem Jahr zum anderen ändern kann, genau wie die Sandbänke in der Bucht, die umspült werden, bevor das Wasser sie überspült. Durch die Stürme im Herbst und Frühjahr kann sich die Oberfläche des Meeresbodens ändern – und dann ändern sich auch diese Strömungen.
Der Granitsockel der Insel ist relativ einfach zu besteigen, wenn man weiß wo. Doch das machen so viele Leute aller Altersgruppen, dass man nur einmal zuschauen muss und dann kennt man die Zugänge für unsportliche Menschen.
Auf der Insel gibt es mehrere massive Felsen in phantasievollen Gestalten. Und es gibt die Hasenohren. Eines dieser Ohren liegt so, dass sich unter seiner schmalen Spitze ein Raum bildet. Ein troglodytischer Raum, an dem auf den drei offenen Seiten Reste einer Mauer zu sehen sind. Die Felsen auf dem Boden dieses Raumes scheinen natürliche Möbel zu ergeben, man braucht nicht einmal viel Phantasie dazu, zwei Bänke, einen Tisch, ein Bett und eine Feuerstelle zu erkennen.  

Das Haus des Zantig

Reste der Mauer sind unter dem Felsen zu sehen
Dieser troglodytische Raum wurde von Zantig gebaut, einem Außenseiter der Gesellschaft. Er hieß mit richtigem Namen Alexandre Marie Lefebvre (1893-1968).
Seine Geschichte wurde mündlich von Sylven Gourvil berichtet:
Die troglodytische Behausung in Gesamtansicht
Alexandre Marie Lefebvre, genannt Zantig, wurde am 24. März 1893 in LeHavre als Sohn der Marie Perrine Ropars und des Eugène Maximilien Lefebvre, von Beruf Seeman, geboren. Er wuchs jedoch mit seinen Geschwistern beim  zweiten Ehemann der Mutter, einem Russen namens Michel Kradtzoff, in Pleumeur-Boudou auf. Es waren vier Geschwister. Ein Bruder wurde Fischer, ein andere Wilderer in Pleumeur-Boudou. In jungen Jahren wurde der Junge einer Pflegemutter in Trégastel übergeben. Er erhielt keine
Damals - eine von Zantigs Postkarten
Bildung, sondern begann mit 13 Jahren auf dem Bau zu arbeiten. Mit 18 Jahren ging er zur Fremdenlegion. Dort erhielt er während einer Disziplinierung eine Ganzkörpertätowierung, Pfau und Schlange.
Doch bekannt wurde er durch seine Zeit auf der Île aux Lapin, die auch auf einen Schiffbruch zurückgehend l'Île aux Croix, die Insel mit dem Kreuz, genannt wurde.  
1930 baute Zantig aus Backstein die Schutzhütte, eine Art Wohnung, unter dem Felsen. Der Felsen wird noch heute „Roche Zantig“ genannt, der Felsen des Zantig. Er lebte vom Fischen zu Fuß – pêche à pied, noch heute eine beliebte Freizeitbeschäftigung, bei der bei Ebbe der Meeresboden und die Felsen nach Meeresgetier abgesucht wird. Er fischte auch von seinem 4,5 m langen Boot „Les Perdreaux“ – „die Rebhühner“ wäre das zoologisch, doch irgendwie gibt es auch eine etwas derbere Bedeutung –  „der Bulle“ – dafür. Ich tendiere zu letzterem.
Felsengebilde
Seine Beute verkaufte er an Touristen und Einheimische. Außerdem erhielt er für seine Dienste als Seemann 6. Klasse bei der Küstenschifffahrt von 1929-1942 eine Rente.
Er benutzte eine Seilwinde, um die Insel mit dem Festland zu verbinden. Außerdem hatte er eine kleine Herde und schoss „Wasservögel“ mit einer Flinte aus dem ersten Weltkrieg.
Während des 2. Weltkrieges – als die Deutschen die Bretagne besetzt hatten und die Küste befestigten, um eine Invasion abzuwehren, die dann in der Normandie stattfand – wurde er von der Insel vertrieben und fand Zuflucht in einem verlassenen Haus an der Grève Blanche.
Zantig hatte nur wenige Freunde. Zu ihnen gehörte der, den sie „Otter“ riefen und der in einem Bunker lebte, ein anderer Außenseiter an dieser Küste, wie auch Vater Adam, der im Schutz des Felsens unter dem „Père Eternel“ hauste. Heute ist dort das Aquarium von Trégastel.
Naturkunst
Zu Zantigs Tod 1968 gibt es verschiedene Versionen. Die einen behaupten, er starb an einer Lungenentzündung, die anderen, man habe ihn nackt und sauber rasiert auf seinem Bett gefunden. Er wurde mit der Ehre eines Veteranen zur Kirche geleitet und auf dem Friedhof beigesetzt. In einer weiteren Version starb er in seiner Behausung und wurde von „Gwénojen“, einer Art Wichtel, dort abgeholt und auf dem Friedhof von Trégastel begraben.
Zantig hatte immer eine Faszination ausgeübt und übt sie noch heute aus. Er war in sich ein Kunstwerk. Er war extravagant, exzentrisch, sarkastisch gegen Touristen und den Frauen gegenüber verführerisch, wenn er mit seiner Barke zwischen den Inseln herum glitt. Er schrieb und sang und vermittelte seine Sicht der Dinge beängstigend dämonisierend. Er verkörperte die Phantasie, lebte den Traum der Freiheit. Damit war er wie eine Figur aus den alten Geschichten und Märchen, die die Küste der Bretagne umwehen.
Les sept îles