Posts mit dem Label Ankunft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ankunft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 20. September 2014

Neues Jahr - neue Abenteuer

Und wieder ist September - und wieder fahre ich in die Bretagne. Es ist das dritte Wochenende, als ich ankomme. Ich bin erstaunt, wie viele Leute noch hier sind. Auf den Straßen in Trégastel herrscht Chaos, die Restaurants sind übervoll. Das Wetter ist herrlich, man kann draußen speisen. Ich speise drinnen, traditionell im Mao in Ploumanac'h. Ein Trio aus Meeresfrüchten, Austern, Bulots und Crevetten, dann Sardinen à la plancha - und schließlich den bretonischen Traum aus Apfel und Caramel. Dazu eine Tasse Cidre und einen Café als Abschluss.
Dann Ankunft im Haus. Auf dem Parkplatz davor, dem Zugang zum Strand, stehen unglaublich viele Autos. Ich packe aus und ein und bin erschöpft. Der Hund nicht, er will action. Also - raus an den Strand. Es ist Hochwasser, viel ist damit nicht möglich. Dennoch - der Hund entdeckt die Wellen. Ich habe was zu lachen.
Ich hatte schon gehört, dass der kleine Strand unter den Stürmen im Winter schwer gelitten hatte. Nun sah ich es real. Natürlich war die Böschung wieder gerichtet. Doch das Thema braucht einen neuen Post.

Der kleine Hund findet es alles toll. Wellen kann man fangen, ins Wasser hineinbeisen.
Und man kann auch mal versuchen, nach einem Stein auf dem Meeresboden zu langen - mit den Pfoten.

Sonntag, 15. September 2013

Die Reise


Es ist weit. Eine endlose Strecke von meinem Wohnort in Baden-Württemberg ins Traumland am westlichen Ende Europas. Knapp 1200 km sind es. Inzwischen kenne ich jeden Kurve - was einfach ist, da es nur wenige sind, wenn man mal über die Vogesen hinweg ist. In den Ebenen Frankreichs sind Kurven relativ selten.
Doch zuerst kommt der Schwarzwald. Und der ist gar schrecklich im Weg. Man kann ja nun die A8 nach Karlsruhe nehmen, was ein Umweg ist. Doch natürlich kommt man schneller voran. Wenn man voran kommt. Das verhindern aber Baustellen. Sehr schön, dass die A8 dreispurig ausgebaut wird, und es sind auch nur noch wenige Etappen, die noch nicht ausgebaut sind oder gerade ausgebaut werden. Aber diese haben es in sich. Seit Jahren fahre ich immer am Donnerstag nach dem 2. Septemberwochenende los. Ich lasse mir Zeit. Ich fahre gerne Auto, aber nicht endlos. Deshalb übernachte ich zwei Mal. So mache ich es, seit ich in die Bretagne fahre. Am ersten Tag kann ich somit erst in Ruhe Mittags losfahren, da die erste Etappe eigentlich nur dazu dient, den nervigen Schwarzwald und die Vogesen zu überwinden. Der Vormittag dient dazu, alles so zu hinterlassen wie es sein soll, wenn ich zurückkomme. Und ich kann noch ein letztes Mal ins Büro, um die Buchführung für die lange Zeit in Ordnung zu machen. Dieses Jahr war ich früh fertig, konnte schon vor Mittag aufbrechen. Doch dann kam die alternative Post. Die Deutsche Post hatte schon rechtzeitig geliefert, die heutigen Rechnungen waren bereits gebucht. Wenn man so lange weg ist, darf man nicht den Überblick über das Konto verlieren. Schließlich wollen alle Rechnungen bezahlt sein. Doch ab einem gewissen Punkt und mit einer gewissen Erfahrung kann man schätzen. Die Rechnungen werden ohnehin abgebucht, es muss nur genügend Geld auf den Konto sein. Leider schicken viele Firmen inzwischen mit den alternativen Postdiensten - und die kommen später am Tag. Heute kam die Dame im strömenden Regen, als ich gerade ins Auto einsteigen wollte - für ihre Begriffe also früh. Fluchend nahm ich den Stoß entgegen und ging ins Haus zurück, fuhr den Rechner wieder hoch und buchte. Nur um bestätigt zu bekommen, dass meine Schätzung vorher absolut korrekt gewesen war und die ganze Aktion auch nach meiner Rückkehr hätte stattfinden können. Eine halbe Stunde später - der Rechner schlief wieder, der Strom war abgezogen und der Drucker ausgestellt - fuhr ich dann endlich wirklich los. Es regnete in Strömen. Die Steige runter ins Flachland war noch immer wegen des Bergrutsches Anfang Juni gesperrt, ich musste also einen anderen Abstieg nehmen. Die Verkehrsnachrichten sprachen von 10 km Stau auf der A8 Richtung Karlsruhe. Also beschloss ich, eine ganz andere Strecke über den Schwarzwald zu nehmen. Mal sehen, was das Navi dazu sagen würde.

Das Navi und ich sind meist unterschiedlicher Meinungen. Ich fahre im Andenken an meinen Seefahrergroßvater nach den Sternen - sprich, ich richte mich intuitiv nach den Himmelsrichtungen, nachdem ich mich bei unbekannten Gebieten vorher mit der Karte vertraut gemacht hatte. Den Schwarzwald allerdings kenne ich, da brauche ich keine Karte.

Das Navi richtet sich nach der Straßenhierarchie. Es wird bei alternativen Möglichkeiten immer zuerst die Autobahn wählen, danach die Bundesstraße. Nun ja, letztendlich lenke ja ich. Doch manchmal macht es dann doch Sinn, dem Navi zu folgen, weil es auch einmal die kürzere Route kennt. Was allerdings nur funktioniert, wenn diese Route nicht durch eine Baustelle blockiert ist. So geschah es im Neckartal. Ich fuhr der Umleitung nach gerade aus weiter. Dann bog die Umleitung nach links ab - das Navi wollte mich weiter nach Horb schicken. Das sind die Feinheiten. Ich folgte, weil logisch, der Umleitung und hatte natürlich Recht, es war kürzer.
Dennoch, die Überquerung des Schwarzwaldes erfordert Geduld und Ausdauer. Denn wenn keine Kurven die Geschwindigkeit bremsen, tun es LKWs. Ich fuhr dann von Freudenstadt bis auf die Schwarzwaldhochstraße hinter einem LKW her, der sich nie schneller als 70 km/h vorwärtsbewegte. Das ist keine Geschwindigkeit, mit der man Hunderte von Kilometern zurückgelegt bekommt. Zum Glück entschied er sich an der Abzweigung auf der Schwarzwaldhochstraße im letzten Moment, doch nach Baden-Baden weiterzufahren. So konnte ich wenigstens den Berg hinunter in meiner Geschwindigkeit fahren.
Im Rheintal wurde das Wetter besser, in Frankreich schien die Sonne.
Ich hatte das Hotel bei Nancy gebucht. Es gehörte zu einer Kette, die ich oft nutze. Dieses Haus kannte ich aber noch nicht.
Obwohl ich keine 300 km gefahren war, war ich gerädert. Ich gönnte mir im Steakhaus nebenan eine Magret de Canard mit Pommes de Terre au four - Entenbrust mit Ofenkartoffel - und schlief danach wunderbar.
Am nächsten Tag war Freitag der 13. in 2013. Ich bin sicher, viele waren überzeugt, das konnte nicht gut gehen. Ich dachte nicht daran, wurde erst abends daran erinnert. Und fand, dass ich dafür die Francelienne eigentlich ganz gut bewältigt hatte.
Denn am Freitag ist die große Strecke zu überwinden, die bis Rennes führt. Das sind knapp 700 km. Bis Paris nehme ich nie die Autobahn, sondern fahre die RN4, die zu großen Teilen vierspurig ausgebaut und vom Süden Deutschlands viel kürzer ist.
Um Paris herum fahre ich immer die berühmte Francelienne, den äußersten Kreis um Paris. Manchmal kann das ganz schön haarig sein, da diese Route sehr befahren ist - und die Pariser nicht sehr rücksichtsvolle Autofahrer sind. Doch heute ging alles problemlos. Es gab keinen Stau. So gesehen: wer am Freitag, dem 13., die Francelienne so gut bewältigt, der kann nicht behaupten, einen Unglückstag erlebt zu haben.
Für die Strecke von Paris bis Rennes ist die Autobahn am Besten. Ich habe alle Alternativstrecken ausgetestet. Man wird schon wegen der vielen Kreisverkehre verrückt. Und es dauert einfach zu lange. Die knapp 30 Euro Maut sind es mir wert, schnell und unkompliziert anzukommen. Autobahnfahren in Frankreich ist meist sehr viel unproblematischer als in Deutschland. Man darf nicht schneller als 130 km/h fahren, woran sich höchstens mal eine Limousine mit deutschem Kennzeichen nicht hält. Und die Autobahnen sind meist verhältnismässig leer, ein Vorteil der Maut. (Ausnahme: Die Route Soleil, die Autobahn an der Rhone nach Süden, aber das ist einen anderen Blog wert...)
Hinter Laval fängt die Bretagne an - und die Maut hört auf. In der Bretagne sind die zweispurigen Straßen Mautfrei, was historisch bedingt ist - keine Abgaben von den armen Bretonen. Allerdings sind es keine Autobahnen, sondern Schnellstraßen - und damit ist die Höchstgeschwindigkeit 110 km/h. Man tut gut daran, daran zu denken, wenn man durch die letzte Mautstation hindurch ist, denn die Straße ist genau so breit und ausgebaut wie vorher. Mir fiel es dieses Mal erst nach einigen Kilometern ein, doch ich glaube nicht, dass ich geblitzt wurde. Vor einigen Jahren war ca. 10 km nach der Mautstation ein mobiles Blitzgerät aufgebaut. Ich fuhr mit 130 km/h auf der linken Spur hinter einem Franzosen her, als es plötzlich blitzte. Das rote Auto wurde ganz langsam und wechselte wie ein getretener Hund auf die rechte Spur. Er wurde wohl seinen Führerschein los.
Ich dagegen fuhr damals weiter, in der Erwartung, am nächsten Parkplatz herausgezogen zu werden. Doch nach drei oder vier Parkplätzen wusste ich, der Kelch war an mir vorüber gegangen.
Heute bin ich vorsichtiger, denn heute kann man auch in Deutschland von den französischen Behörden belangt werden. Und es ist teuer, wenn man zu schnell ist. Sehr teuer.
Bis ich auf der Rocade von Rennes ankam, die ich in nördlicher Richtung nehmen musste, um die Stadt zu umfahren, war Hauptverkehrszeit. Doch ich kam erstaunlich gut voran. Nur kurz kam der Verkehr ins Stocken. Und dann musste ich auch bald abbiegen, um zum Hotel zu gelangen.