Montag, 22. September 2014

Montag - Markttag

König Gradlons Krone
Letztes Jahr hat es ja nicht so ganz geklappt, weil es geregnet hatte, aber dieses Jahr will ich es wieder tun - diese erste Runde um Trégastel Plage. Hinauf auf die Krone von König Gradlon - hinunter zum Markt, ein Abstecher in die Toursteninformation, um einen Plan Marée zu erhalten. Dann die Umrundung der Presqu'île Renôte, schließlich Muschelessen am Forum.

Der erste Abschnitt klappt ganz gut - dieses Mal nur mit der normalen Leine, denn es wird kaum Gelegenheiten geben, richtig frei laufe zu können. Oben auf der Krone lass ich das Hundchen dann doch frei, wir sind ganz alleine. Ich nehme ihn wieder zu mir, als wir zur Straße kommen.

Blick über die Zacken
Dann geht es hinunter in das Städchen. Und es wird anstrengend. Ich glaube, so schnell war ich noch nie durch den Markt hindurch. Der kleine Hund ist einfach viel zu interessiert an allem. Und hier riecht es dann auch noch überall so gut. Dennoch - anstrengend, aber wieder eine gute Übung für den Kleinen. Stände gab es ohnehin schon nicht mehr so viele interessante. Und kaufen hätte ich nichts können, das verhinderte Herr Hund.

Ein Frühstückscrêpe mit Caramel mit gesalzener Butter an einem Stand kann ich mir aber doch noch leisten.

Dann gehe ich zur Île Renôte. Sie hat sich nicht verändert. Ich gehe rechts herum, an der Landseite zuerst. Und genieße es. Mir kommen einige Menschen entgegen, es ist eng - aber nun ja, sie freuen sich alle, dem Kleinen zu begegnen und haben Verständnis dafür, dass ich etwas Mühe habe, ihn davon abzubringen, an ihnen hochzuspringen.

Der Blick am Ende der Halbinsel ist auch noch wie er sein muss:


Alle kennen ihn - aber er nimmt einem immer wieder den Atem.

Der Rückweg führt an den spektakulären Felsen vorbei. Die Voyager ist noch immer gelandet. Schön, dass sich diese Steine noch lange nicht verändern werden, auch nicht mit den größten Unwettern.

Ich nenne das die "Voyager", aber offiziell ist es der Champignon.
Und am Forum üben wir dann "Essen im Restaurant". Ich lasse mir im Vorraum einen Eckplatz geben, weit weg von den anderen Gästen. Es ist zum Glück warm genug, im Freien zu essen. Dennoch - der Hund findet es langweilig, hier zu liegen, ohne dass etwas geschieht. Das tut er mehrfach deutlich kund, in dem er ein lautes "Wuff" von sich gibt. Als meine Muscheln kommen, kann ich sie jedoch ohne weitere Belästigung von unten essen. Zur Belohnung bekommt er ein paar Fritten, nachdem ich fertig war. Nicht ganz pädagogisch, ich hoffe, ich werde es nicht bereuen, aber irgendwie fair.

Der Rückweg über den Felsenweg zwischen dem Forum und der Grève Blanche ist dann schnell bewältigt. Ich habe für heute genug - der kleine Hund fragt, was wir nun tun.

Sonntag, 21. September 2014

Sonntag

Am Sonntag ist die Tide so, dass nachmittags Wasser in der Bucht ist. Also kann ich nicht meine übliche erste Inspektion der Inselchen unternehmen. Deshalb fahre ich nach Landrellec.

Es ist Sonntag - Tag der Jogger. Ein etwas schwieriges Unterfangen mit dem jungen Hund, der jede Begegnung überschwänglich begrüßen will und mit Hunden am liebsten mitlaufen würde. Ich nutze die lange Schleppleine, doch zwischen den Felsen und Wurzeln kann die problematisch sein, denn sie verhakt sich gerne. Außerdem muss ich noch mehr als sonst darauf achten, wo ich hintrete. Die Leine hat die nette Angewohnheit, sich um meine Knöchel zu schlängeln, auch eine sehr nette Sache, wenn man gerade auf unsicherem Grund geht. Die erste Begegnung haben wir da, wo der Pfad oberhalb eines kleinen Strandes über einige Steintreppen in einen Tunnel aus Gestrüpp führt. Doch dieser Aufgang und der Tunnelweg sind gesperrt, Resultat der Unwetter weiß ich sofort. Später sehe ich, dass das Wasser den Weg unterspült hatte. Also muss ich hinunter auf den Sand, was eine kleine Kletterei bedeutet. Und genau in dem Moment höre ich Keuchen hinter mir. Ich schnappe mir, schon halb auf den Steinen, die gelbe Leine, um den Hund daran zu hindern, den Jogger zu belästigen. Ich schaffe es, ohne dass ich in die Tiefe gezogen werde. Der Jogger hüpft hinunter, über den Strand und gegenüber wieder zurück auf den Weg. Ich hänge noch immer auf halber Höhe. Da kommen die nächsten, ein Paar, auch joggend, dieses Mal mit Hund. Und das bedeutet, der meine will hinterher. Ich hänge noch immer halb in den Steinen. Ich halte den Hund, die Leute samt ihrem Tier rennen weiter und verschwinden um die Ecke. Dann kommen Leute entgegen. Ich heule nun fast. Das kann doch nicht sein! Ich laufe oft hier ohne auch nur einen einzigen Menschen zu sehen, und ausgerechnet heute und hier nun das! Ich halte den Hund, der immer noch hinter dem verschwundenen Freund herhechten will. Die Leute verschwinden hinter mir. Ich lasse los, um endlich den Abstieg sicher machen zu können. Mein Hund samt Leine verschwindet hinter den Joggern mit Hund her.
Und bis ich wieder auf dem Weg oben bin, kommt mir die Frau entgegen, mein Hundchen an der Leine führend. Sie grinst. Er ist als junger Hund zu erkennen, trotz seiner Größe. Und Franzosen lieben Hunde. Ich entschuldige mich, bin aber sehr wütend. Die nächste Etappe muss mein Pubertierender in strenger Disziplin bei Fuß an der Leine gehen, was ihm nicht im geringsten gefällt. Beeindruckt ist er ohnehin nicht. Er findet das Leben viel zu schön.


Wir laufen durch les landes - die Heide - das Innere von Landrellec. Ich will über die Wiese mit den Dolmen zurück an die Küste. Doch der Farn ist noch nicht gemäht. Ich gehe trotzdem hindurch, den Pfad mit Mühe erkennend. Neben Farn gibt es dort auch Brombeerranken - und viele Spinnen. Der Hund bleibt dicht hinter mir, er ist unterhalb der Blätter, doch ab und zu macht auch er Bekanntschaft mit den Brombeerstacheln. Ich beschließe, hier erst wieder zu gehen, wenn der Farn gemäht ist.
Am Uferweg dann muss der Hund wieder streng bei Fuß gehen, denn inzwischen sind zwar die Jogger beim Frühstück, aber die Schlenderer sind unterwegs.

Den Nachmittag verbringe ich auf der Liege im Garten, während draußen auf dem Parkplatz und unten am Strand die Hölle los ist.

Samstag, 20. September 2014

Neues Jahr - neue Abenteuer

Und wieder ist September - und wieder fahre ich in die Bretagne. Es ist das dritte Wochenende, als ich ankomme. Ich bin erstaunt, wie viele Leute noch hier sind. Auf den Straßen in Trégastel herrscht Chaos, die Restaurants sind übervoll. Das Wetter ist herrlich, man kann draußen speisen. Ich speise drinnen, traditionell im Mao in Ploumanac'h. Ein Trio aus Meeresfrüchten, Austern, Bulots und Crevetten, dann Sardinen à la plancha - und schließlich den bretonischen Traum aus Apfel und Caramel. Dazu eine Tasse Cidre und einen Café als Abschluss.
Dann Ankunft im Haus. Auf dem Parkplatz davor, dem Zugang zum Strand, stehen unglaublich viele Autos. Ich packe aus und ein und bin erschöpft. Der Hund nicht, er will action. Also - raus an den Strand. Es ist Hochwasser, viel ist damit nicht möglich. Dennoch - der Hund entdeckt die Wellen. Ich habe was zu lachen.
Ich hatte schon gehört, dass der kleine Strand unter den Stürmen im Winter schwer gelitten hatte. Nun sah ich es real. Natürlich war die Böschung wieder gerichtet. Doch das Thema braucht einen neuen Post.

Der kleine Hund findet es alles toll. Wellen kann man fangen, ins Wasser hineinbeisen.
Und man kann auch mal versuchen, nach einem Stein auf dem Meeresboden zu langen - mit den Pfoten.

Mittwoch, 6. November 2013

Die Geschichte eines Strandes Teil 2


2010

Rettungsversuche
Mitte September 2010 war die Böschung dann völlig unterspült, fast bis zu den Gartenmauern war der Sand heruntergebrochen, es war nun kein schräger Hang mehr, sondern eine senkrechte Klippe, aus der Sand rieselte und von der jeder Zeit wieder große Stücke abbrechen konnten. Von der geraden Fläche, die die Gärten der Häuser bildeten, ging es vor den Mauren fast senkrecht in die Tiefe, von Pflanzen oder Rupfen war nichts zu sehen.
Attraktive Verschönerung
Der Fels unter dem Sand war noch immer nicht erreicht. Die Frage war: waren die Gartenmauern bereits auf dem Fels oder auch nur auf Sand gebaut? Noch waren die Gartenmäuerchen unbeschädigt, nur ganz links waren einige rosa Granitquader, die den Hang unterhalb der Mauern abstützen sollten, in Schräglage geraten, würden in Kürze herunterbrechen. Die Struktur des Sandhangs war die eines Felsabbruchs, wild und extrem gefährlich für diejenigen, die dort meinten herumklettern zu müssen.
Ein Band entlang des Strands hielt mit dem Hinweis auf die Gefahr die Menschen auf Abstand.
In den letzten beiden Wochen des Septembers füllten nun drei Arbeiter mit einem kleinen Bagger erneut Sandsäcke ab und stapelten sie unten am Abbruch der Böschung hinter der Absperrung. Immerhin schafften sie am Tag so etwa 8 bis 10 Säcke in unglaublicher Geschwindigkeit, indem zwei den Sack hielten, während der dritte den kleinen Bagger bediente und Sand in die weißen Tüten schaufelte – auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Die Situation im November 2010
Als die Reihe der Sandsäcke vom einen Ende an der Ecole de voile bis zum anderen Ende des Strandes am großen Felsen geschlossen war, begannen Anfang Oktober die drei Arbeiter mit ihrem Bagger eine neue Reihe Sandsäcke aufzufüllen, die sie vor der bereits bestehenden Reihe stapelten. Dieses Mal waren es nicht nur einzelne Säcke, die wie die Soldaten nebeneinander standen, sondern eine weiter Plastikfolie wurde über sie gezogen, um sie zu verbinden. Eine interessante Konstruktion, besonders da dann auch noch Sand auf die Säcke geschaufelt wurde.
Die nächste Springflut im Oktober fand ausnahmsweise ohne Sturm statt. 


Wie die Touristen im Sommer stapeln sich die Säcke
Auch wenn ein Baum in Landrellec über die Klippe gekippt ist, woran der Wind der letzten Tage sicher beteiligt gewesen war, blieben bis zur Abreise der Chronologin die Herbststürme aus. Am Abreisetag wird zum letzten Mal in diesem Herbst die Springflut auf einen Koeffizienten von 101 steigen, was aber noch lange nicht in die Nähe der höchsten Flut mit dem Koeffizienten 116 kommt, die im März stattgefunden hatte. Vermutlich wird auch der nächste März wieder eine solch hohe Flut bringen – vielleicht dann mit Sturm. Ob dann diese großartige Zierde von  sorgfältig platzierten Sandsäcken das weitere Abbrechen der Klippe verhindern können, darf mit dem gesunden Menschenverstand derer, die keine Gelder von der EU oder aus Paris erhalten, bezweifelt werden. Eine Fortsetzung dieser Geschichte des kleinen Strandes ist damit in jedem Fall zu erwarten. 

September 2011

Der erste Blick über den Felshaufen zeigt: Nichts hat sich geändert. Die Sandsäcke stehen noch wie letztes Jahr. Die Attraktion des kleinen Strandes bilden weiterhin die Reihen der Sandsäcke. Allerdings sind sie inzwischen etwas zerzaust, Stürme und Grande Marée der letzten Monate sind nicht spurlos an ihnen vorübergegangen.

17. Oktober 2011 – ein denkbarer Tag in der Geschichte des Strandes.


Gefahr - Zugang verboten
Der Zugang ist gesperrt. Ein Gitter verhindert das Betreten des Strandes vom Felsen her – vermutlich ist auch der Zugang an der Segelschule verboten. Ein großes Schild verkündet: „Gefahr!“ Besonders interessant ist das, wenn man wie die Schreiberin dieser Zeilen den Nachmittag während Niedrigwasser auf dem Meeresboden zwischen und auf den Inseln vor der Bucht verbracht hat und eigentlich auf dem Heimweg plötzlich von der hinteren Seite des Gitters überrascht wird, das einem am Verlassen des Strandes hindert. Zum Glück ist man des Kletterns mächtig und umgeht das Gitter über den Felsen.
Sand wird umgewälzt
Am nächsten Morgen schallen dumpfe Geräusche vom Strand herauf, die eindeutig nicht das Rauschen der Wellen im heftigen Wind sein können. Da die Sonne inzwischen erst um etwa 8:30 Uhr aufgeht, ist es noch ziemlich düster, als der Hund seine Morgenrunde drehen will, die ihn über den Felsen auf den Strand führt, wo er seine ersten Geschäfte verrichten möchte, die spätestens in einer Woche beim nächsten Grande Marée im Meer verschwinden werden. Am Zugang zum Strand ist das Gitter umgefallen, doch der Hund bleibt entsetzt stehen. Auf dem Strand dröhnen Ungeheuer mit leuchtenden Augen. Drei LKW, ein Bagger, alle mit Scheinwerfer an, beschäftigen sich mit den Sandsäcken.
Nachmittags ist dann von der anderen Seite der Bucht, wo die tägliche Runde über den dortigen Küstenweg und durch die Heide im Innern stattfindet, zu erkennen, dass die Reihe der Sandsäcke aufgelöst und die Säcke zu kleinen Gruppen zusammengestellt worden war. Was am Abhang unterhalb der Häuser stattgefunden hat, ist auf die Entfernung nicht genau zu erkennen.
Ein paar Tage später wird eine Plane über den Hang gezogen, Rupfen vermutlich, um den Hang zu stabilisieren und den Pflanzen die Möglichkeit zu geben, sich anzusiedeln. Hatten wir das nicht schon?

Grande Marée Ende Oktober, kurz von Toussaint – ob alle Heiligen das wohl beobachten und ob Sainte Anne – der hier mal mindestens eine Kirche geweiht ist – oder Saint Samson, der überall seine Spuren hinterlassen hatte, helfen können? Am Freitag soll der höchste Stand des Hochwassers erreicht werden. Am Donnerstag weiht morgens vor Sonnenaufgang der Hund den neuen Abhang ein, indem er hinaufspringt und seinen Haufen ganz oben setzt, innerhalb der Absperrung. Unten war das Wasser, das bereits wieder am Ablaufen war, bis zum Hang vorgedrungen und hatte die ersten Spuren hinterlassen. Der Sand war weggebrochen, etwa in der Mitte schon wieder ein gutes Stück abgerutscht. Auch dieses Grande Marée wird ohne heftigen Sturm ablaufen, somit wird dieses Meisterwerk den Herbst wohl überleben. Doch der nächste Sturm kommt – und das nächste Grande Marée auch – spätestens im Frühjahr.

Dienstag, 5. November 2013

Die Geschichte eines Strandes - Teil 1


Grève rose 2013 vor dem letzten Sturm


Grève rose vor März 2008

2008

An dem kleinen Strand zwischen der Grève Blanche und dem Plage de Toull Bihan in Trégastel knallen die Weststürme ungebremst auf das Festland, wenn sie bei ihrem Weg über den Atlantik in Europa angekommen sind.  Nichts verlangsamt ihre Kraft, auch die kleinen Felseninseln Île de Seigle und Île Tanguy rechts und links nur ein paar Meter vor der Küste bilden eher einen Trichter, als dass sie das Land schützen.
Der Wind hat über die Jahrmillionen einen Wall aus Sand auf dem Granit, der den Sockel der Bretagne bildet, aufgetürmt. Wie die Natur diesen Sandwall erschaffen hatte, hätte sie ihn irgendwann auch wieder zerstört, wenn nicht wie so oft der Mensch den Platz verändert hätte.
Traumhafte Lage direkt am Strand - vor März 2008
Eine kleine Mauer am Rand des Sandstrandes sorgte seit Jahrzehnten dafür, dass die Wellen sich an ihr brechen und nicht weiter ins Landesinnere vordringen konnten. Nur wenige Meter weg vom Absturz des Festlandes auf den Strand, oben auf dem festen Grund des Granits, waren – wie könnte es anders sein – sieben Häuser hingestellt worden, mit Blick auf das Meer. Die Sicht dort ist phänomenal. Jeder Feriengast, der diesen Teil der zerklüfteten Bucht besucht, wünscht sich, in einem dieser Häuser wohnen zu können, als Ferienhäuser sind sie während der Saison ausgebucht, die Besitzer können jeden Preis verlangen.
Doch ganzjährig will heute, 40 Jahre nach dem Bau, niemand mehr dort wohnen, an Touristen werden die Häuser hauptsächlich im Sommer vermietet. Wer als Tourist einen Herbststurm miterlebt, schätzt dies als Abenteuer. Im Winter lassen die Stürme die Wände erbeben, und das Pfeifen in den Fenstern macht den Genuss jeglichen Fernsehfilmes unmöglich. Weihnachten dort oben ist sicher romantisch, wenn man weiß, man reist wieder ab. Die Eigentümer, die noch das ganze Jahr im größten und schönsten der Häuser gewohnt hatten, verließen ihr Haus vor etwa 8 Jahren, um weiter im Landesinnern geschützt vor dem Wind und dem Lärm des Meeres zu leben. Und näher an den Cafés, wie eine der letzten Bewohnerinnen des Viertels aus einem Haus unterhalb des Felsens erklärte.

Sturmtief Johanna

Am 10. März 2008 gab es einen heftigen Sturm. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches für diese Jahreszeit, auch nicht in Verbindung mit der höchsten Springflut des Jahres. Jedes Jahr im Frühling und Herbst finden diese hohen Springfluten statt. Und oft gibt es gleichzeitig einen heftigen Sturm, der in anderen Teilen des Landes, im Binnenland, eine Katastrophe wäre. Aber am Atlantik und am Kanal ist das normal, die Häuser und Dächer sind entsprechend gesichert, Bäume wachsen nur an Stellen, die vom Wind geschützt sind.
Diese Sturmflut im März jedoch war selbst für die sturmerprobte Küste ungewöhnlich heftig. Der Sturm war eindeutig ein Jahrhundertsturm, die dazugehörige Flut entsprechend gewaltig. Die Wellen und der Wind zerstörten viele Küstenwanderwege, unterspülten Felsen und veränderten an einem Tag die Küstenlinie. Auch das Forum von Trégastel wurde schwer beschädigt. Dort wurde das Restaurant in Einzelteile zerlegt, und Meerwasser drang in das Schwimmbad ein. Noch im Herbst 2008 waren beide geschlossen. Im Jahr 2009 schließlich hatten wohl die Versicherungen bezahlt, und Schwimmbad und Restaurant konnten nach sorgfältiger Renovierung wieder geöffnet werden.

Freitag, 1. November 2013

Île aux Lapin



Île aux Lapin
Die Insel der Kaninchen – wenn man sie genau anschaut, ahnt man, wie sie zu ihrem Namen kam. Zwei der riesigen Granitfelsen sind wie Kaninchenohren geformt. Allerdings ist sie auch mit Kaninchenlöchern durchsiebt. Diese winzigen kleinen Tierchen sind in der Bretagne überall am Meer zu finden.
Felsenchaos mit Ohren
Die Insel liegt nur wenige Meter vom Festland, von der Ecke der Grève Blanche, an der die Segelschule steht, entfernt. An dieser Ecke des Strandes ist ein kleiner Felsenhaufen, von dem aus auf der anderen Seite ein Damm aus Sand und kleinen Steinen zur Insel hinüberführt. Dieser Damm ist noch lange begehbar, wenn das Wasser aufläuft. Bei niederen Koeffizienten ist er nur kurze Zeit ganz überflutet.
Das Wasser nähert sich von beiden Seiten
Ich habe schon Touristen schockiert, weil ich noch hinüber zur Insel ging und auf sie hochkletterte. Sie standen an dem Felsenhaufen am Beginn des Dammes und starrten entsetzt zu mir hinüber. Offensichtlich konnten sie die Tide nicht einschätzen. Doch ich bin schon so oft hier gewesen, dass ich weiß, wie lange es dauert, bis der Damm überflutet wird. Auch weiß ich genau, wo das Wasser sich von beiden Seiten hier trifft und habe oft zugeschaut, wie es steigt und schließlich zusammenfließt. Bei diesem Spiel ist es nur wichtig zu beachten, dass dieser Punkt sich von einem Jahr zum anderen ändern kann, genau wie die Sandbänke in der Bucht, die umspült werden, bevor das Wasser sie überspült. Durch die Stürme im Herbst und Frühjahr kann sich die Oberfläche des Meeresbodens ändern – und dann ändern sich auch diese Strömungen.
Der Granitsockel der Insel ist relativ einfach zu besteigen, wenn man weiß wo. Doch das machen so viele Leute aller Altersgruppen, dass man nur einmal zuschauen muss und dann kennt man die Zugänge für unsportliche Menschen.
Auf der Insel gibt es mehrere massive Felsen in phantasievollen Gestalten. Und es gibt die Hasenohren. Eines dieser Ohren liegt so, dass sich unter seiner schmalen Spitze ein Raum bildet. Ein troglodytischer Raum, an dem auf den drei offenen Seiten Reste einer Mauer zu sehen sind. Die Felsen auf dem Boden dieses Raumes scheinen natürliche Möbel zu ergeben, man braucht nicht einmal viel Phantasie dazu, zwei Bänke, einen Tisch, ein Bett und eine Feuerstelle zu erkennen.  

Das Haus des Zantig

Reste der Mauer sind unter dem Felsen zu sehen
Dieser troglodytische Raum wurde von Zantig gebaut, einem Außenseiter der Gesellschaft. Er hieß mit richtigem Namen Alexandre Marie Lefebvre (1893-1968).
Seine Geschichte wurde mündlich von Sylven Gourvil berichtet:
Die troglodytische Behausung in Gesamtansicht
Alexandre Marie Lefebvre, genannt Zantig, wurde am 24. März 1893 in LeHavre als Sohn der Marie Perrine Ropars und des Eugène Maximilien Lefebvre, von Beruf Seeman, geboren. Er wuchs jedoch mit seinen Geschwistern beim  zweiten Ehemann der Mutter, einem Russen namens Michel Kradtzoff, in Pleumeur-Boudou auf. Es waren vier Geschwister. Ein Bruder wurde Fischer, ein andere Wilderer in Pleumeur-Boudou. In jungen Jahren wurde der Junge einer Pflegemutter in Trégastel übergeben. Er erhielt keine
Damals - eine von Zantigs Postkarten
Bildung, sondern begann mit 13 Jahren auf dem Bau zu arbeiten. Mit 18 Jahren ging er zur Fremdenlegion. Dort erhielt er während einer Disziplinierung eine Ganzkörpertätowierung, Pfau und Schlange.
Doch bekannt wurde er durch seine Zeit auf der Île aux Lapin, die auch auf einen Schiffbruch zurückgehend l'Île aux Croix, die Insel mit dem Kreuz, genannt wurde.  
1930 baute Zantig aus Backstein die Schutzhütte, eine Art Wohnung, unter dem Felsen. Der Felsen wird noch heute „Roche Zantig“ genannt, der Felsen des Zantig. Er lebte vom Fischen zu Fuß – pêche à pied, noch heute eine beliebte Freizeitbeschäftigung, bei der bei Ebbe der Meeresboden und die Felsen nach Meeresgetier abgesucht wird. Er fischte auch von seinem 4,5 m langen Boot „Les Perdreaux“ – „die Rebhühner“ wäre das zoologisch, doch irgendwie gibt es auch eine etwas derbere Bedeutung –  „der Bulle“ – dafür. Ich tendiere zu letzterem.
Felsengebilde
Seine Beute verkaufte er an Touristen und Einheimische. Außerdem erhielt er für seine Dienste als Seemann 6. Klasse bei der Küstenschifffahrt von 1929-1942 eine Rente.
Er benutzte eine Seilwinde, um die Insel mit dem Festland zu verbinden. Außerdem hatte er eine kleine Herde und schoss „Wasservögel“ mit einer Flinte aus dem ersten Weltkrieg.
Während des 2. Weltkrieges – als die Deutschen die Bretagne besetzt hatten und die Küste befestigten, um eine Invasion abzuwehren, die dann in der Normandie stattfand – wurde er von der Insel vertrieben und fand Zuflucht in einem verlassenen Haus an der Grève Blanche.
Zantig hatte nur wenige Freunde. Zu ihnen gehörte der, den sie „Otter“ riefen und der in einem Bunker lebte, ein anderer Außenseiter an dieser Küste, wie auch Vater Adam, der im Schutz des Felsens unter dem „Père Eternel“ hauste. Heute ist dort das Aquarium von Trégastel.
Naturkunst
Zu Zantigs Tod 1968 gibt es verschiedene Versionen. Die einen behaupten, er starb an einer Lungenentzündung, die anderen, man habe ihn nackt und sauber rasiert auf seinem Bett gefunden. Er wurde mit der Ehre eines Veteranen zur Kirche geleitet und auf dem Friedhof beigesetzt. In einer weiteren Version starb er in seiner Behausung und wurde von „Gwénojen“, einer Art Wichtel, dort abgeholt und auf dem Friedhof von Trégastel begraben.
Zantig hatte immer eine Faszination ausgeübt und übt sie noch heute aus. Er war in sich ein Kunstwerk. Er war extravagant, exzentrisch, sarkastisch gegen Touristen und den Frauen gegenüber verführerisch, wenn er mit seiner Barke zwischen den Inseln herum glitt. Er schrieb und sang und vermittelte seine Sicht der Dinge beängstigend dämonisierend. Er verkörperte die Phantasie, lebte den Traum der Freiheit. Damit war er wie eine Figur aus den alten Geschichten und Märchen, die die Küste der Bretagne umwehen.
Les sept îles

Sonntag, 27. Oktober 2013

Schlafende Häuser


Weiße Küsten

Die Küste der Bretagne ist verbaut. Es gibt kaum einen Küstenabschnitt, an dem auf längere Strecke kein Haus steht. Fährt man mit dem Boot hinaus und schaut zurück, so gibt es Küstenabschnitte, die weiß von den Gebäuden sind, grünes ist fast nicht mehr vorhanden. Nur hohe Klippen haben der Bauwut Einhalt geboten – doch oben, direkt am Rand der Felsen, mit dem schönsten Blick über das Meer, findet man dann doch das ein oder andere Haus, die Villa, das Schlösschen.

 Ferienziel der Reichen

Die Fenster sind offen - Herbstferien
Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts haben nicht mehr nur Fischer und Bauern ihre kleinen Häusche
n bewohnt, auch reiche Leute aus Paris und anderen Städten bauten sich ihre Domizile ans Meer. Spektakuläre Beispiele sind das Chateau Costaere vor Trégastel, in dem heute Dieter Hallervorden residiert, oder das im Abschnitt über die Inseln genannte Haus auf der Île Illiec, das dem Flieger Lindbergh gehört hatte, das aber vor der Jahrhundertwende von einem reichen Menschen gebaut worden war.
Auf der Halbinsel Crozon, ganz am Ende, steht die Ruine des Manoir de Coecilian, das dem französischer Symbolist und Dichter Saint-Pol-Roux gehört hatte. Es war 1944 von den Deutschen bombardiert worden, seither ragen nur noch seine vier Ecktürme in den Himmel.
Solche Häuser gibt es einige. Auch hier an de Côte Granite Rose stehen einige alte Häuser, die eindeutig kurz vor oder nach 1900 entstanden sind. Doch damals standen sie einsam auf ihren Felsen. Heute sind sie umringt von Neubauten, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. 

Fischer- und Bauernhäuser

Natürlich hat es immer Städte und Dörfer gegeben, die bis an die natürlichen Häfen der Küste heranreichten, die dann zu befestigten Häfen ausgebaut wurden. Auch haben Fischer immer an günstigen Stellen der Küste gebaut. Oft gibt es Ruinen von Gebäuden an Stellen, wo man sie gar nicht erwartet. Zum Beispiel hat bis 1968 auf der Île Lapin unter dem Felsen, der wie in Hasenohr geformt ist, in einer troglodytischen Behausung der Fischer Zantig gelebt. Die Mauer, die er zu seinem Schutz gebaut hat, ist noch zu sehen.
Traumlage - meist geschlossen
Auch einzelne kleine Bauern- und Fischerhäuser gibt es immer wieder. Doch letztendlich sind diese alten Gebäude so verstreut und in großen Abständen, dass die Natur dazwischen ein Chance hatte. Auch haben sich Fischer und Bauern bemüht, ihre Häuser so zu bauen, dass sie weder bei einem Sturm noch durch hohe Fluten beschädigt würden und das Leben in den Häusern selbst  bei den wildesten Wettern einigermaßen erträglich sein konnte.
Einige alte Höfe auf den Inseln sind auch mit der neuen Zeit wegen Unrentabilität aufgegeben worden, denn heute würde niemand mehr einen Kilometer vom Festland entfernt leben wollen, auf einem Felsen, an dem anzulegen selbst mit modernen Schiffen gefährlich ist, wenn ein heftiger Sturm tobt.
In der alten Zeit dachte man über Wind und Wetter nach und baute entsprechend.

Die verbaute Küste


Doch in der neuen Zeit, mit dem Tourismus, änderte sich das. Heute werden Ferienhäuser gebraucht. Und es wurde gebaut und gebaut.
Auf einem Landvorsprung steht dieses neue Haus
Als wir in 1987 zum ersten Mal die Bretagne bereisten und einmal um den ganzen Drachenkopf herumfuhren, waren wir schon damals entsetzt, wie wenig freie Küste es gab. Doch draußen am Ende der Welt, an der westlichsten Küste der Bretagne, am Oberkiefer des Drachens nördlich von Brest, waren die Dünen unbebaut und ungeschützt dem Sturm vom Atlantik ausgesetzt. Es gab unterhalb der schroffen Klippen, die für diese Küste typisch sind, in den Senken, die kleine Bäche, die ins Meer fließen, geformt hatten, diese einsamen, geheimnisvollen sandigen Buchten, teilweise nur schwer zugänglich, mit ihren faszinierenden Felsformationen, ihren Bögen, Stelen und Höhlen. 

Ein alter Ort, der sich ausgeweitet hat
Jahre später waren in den Senken bis zum Zugang des Strandes zugebaut. Die Häuser reichten bis keine 50 m an der Küste, auf den Felsen standen edle Villen in Parks. Freies Gelände gab es wirklich nur noch dort, wo man wirklich keinerlei Chance hatte, mit den Baulastern hinzugelangen.


Wenn man mit dem Schiff von der Insel Ouessant ganz im Westen auf das Festland zurück fährt, sieht man an der ganzen Küste entlang einen weißen Streifen – Häuser. Freies Gelände gibt es kaum noch – zwischen Porspoder und dem Leuchtturm von Pointe Saint Mathieu. Diese Küste geht genau nach Westen. Nur der westlichste Punkt Frankreichs, Pointe Corsen, ist unbebaut. Der Semaphore, von dem aus der Schiffsverkehr um die gefährlichen Felsen herum und zum Eingang des Ärmelkanals überwacht wird, wurde etwa 300 m von den steilen Felsen landeinwärts gebaut. 

Stürmische Küste

Das heißt, hier am Ende des Kontinents prallt das Wetter ungebremst auf das Land. Die Frühjahrs- und Herbststürme donnern mit der ungebremsten Kraft, mit der sie über den Atlantik fegten, gegen die Küste. Aus diesem Grund ist der Westzipfel der Bretagne von Natur aus karg, es wachsen fast keine Bäume auf den offenen Flächen. Die alten Granithäuser ducken sich in die Senken und haben keine Öffnungen in die Richtung, aus der der Sturm kommt.
Nun stehen dort neue Häuser. Schutzlos sind sie dem Wetter aus dem Westen ausgesetzt.
Doch im Frühjahr und im Herbst sind diese Häuser verschlossen. Sie schlafen. Denn sowohl die alten als auch erst Recht die neuen Häuser sind Ferienhäuser. Sie wurden gebaut, damit Pariser Familien oder andere Feriengäste die Sommerferien dort verbringen können. Für den Rest des Jahres sind die meisten verschlossen. Wenige werden in den Herbstferien, an Weihnachten und vermutlich Ostern geöffnet. 

Bretonische Erben

Umgebautes Bauernhaus - geschlossen
Die alten Fischer- und Bauerhäuser, die schon lange hier stehen, werden von Bretonen, die in Paris oder anderswo ihr Arbeitsleben verbrachten, geerbt. Es geht die Mär, in Paris leben mehr Bretonen als in der Bretagne selbst. Das sagt man aber auch von den Iren: Es gibt mehr in England als in Irland – von den USA ganz zu schweigen. Die Bretonen waren in ihrer Jugend in die Stadt gewandert, da es in der Bretagne keine Arbeit gab. Die Eltern blieben in den kleinen Häuschen zurück. Die Kinder machen Karriere – und erben irgendwann das Haus an der Küste.
Teilweise werden diese Häuser dann verkauft. Vor der Krise kauften hauptsächlich Engländer, Deutsche und auch Holländer – wie überall in den schönen Gegenden Frankreichs. Die Immobilienpreise waren so hoch, dass Einheimische keine Chance hatten. Irgendwann in den Jahren nach der Jahrtausendwende aber gab es zwei Änderungen. Die erste betraf den Immobilienmarkt überhaupt. Ein neues Gesetz besagte: die Häuser mussten zuerst Bretonen angeboten werden, bevor Ausländer oder auch Pariser kaufen konnten – und das wohl auch zu einem bezahlbaren Preis. Wie weit das funktionierte, weiß ich nicht, denn dann kam die Krise. Mindestens die Engländer kehrten nach Hause zurück. Nicht alle, aber viele. Wenn ich allerdings bei den Immobilienmaklern ins Schaufenster schaue, hat da an den Preisen nichts geändert, die sind weiterhin astronomisch.
Was aber eigentlich wichtiger ist: Noch vor der Krise griff der Küstenschutz auch in Bezug auf Neubauten. 

Küstenschutz auch hier

Geschlossen - auf einem Felsvorsprung am Meer
Wie ich an anderer Stelle schon einmal erwähnte, bemüht man sich schon seit vielen Jahren, die Küste zu retten. Im Zusammenhang mit der wilden Bebauung bedeutete das: Ab etwa Mitte 2000 durfte nicht mehr näher als 800 m an die Küste herangebaut werden, innerhalb von Siedlungen, wo die Küste bereits bebaut ist, nicht näher als 300 m. Man hatte sozusagen fünf Minuten nach 12 Uhr die Reißleine gezogen.
Eines der besten Beispiele für diesen unmäßigen und unvernünftigen Hausbau an der Küste sind die sieben Häuser oberhalb der Grève blanche. Laut meiner Vermieterin sind diese Häuser Anfang der 1970er gebaut worden. Ich vermute, die ganze Siedlung Grève Blanche ist bis auf ein oder zwei Häuer nicht älter.
An der Ecke befindet sich die Segelschule. Das Haus scheint alt zu sein, es ist gegen das Meer durch Dünen und eine Mauer geschützt. Dort ist immer etwas los, das Haus ist immer offen. Jenseits der kleinen Straße, die als Zugang zum Strand dient, stehen sechs kleinere Häuser, die alle im Herbst geschlossen sind. Vielleicht sind während der Herbstferien ein oder zwei für eine Woche vermietet, vielleicht sogar von den Eigentümern bewohnt, aber nicht jedes Jahr. Das siebte, südlichste Haus, ist das imposanteste. In den ersten Jahren, die ich hier den Herbst verbrachte, war es noch ganzjährig von den Eigentümern bewohnt. Dann zogen diese aus, und es wurde als Ferienhaus vermietet. Es ist allerdings auch im Herbst meist bewohnt, von wechselnden Gästen. Es ist ein Traumhaus mit einem wunderschönen Blick über die Bucht mit den Inseln Tanguy, Île de Seigle und der Kanincheninsel, hinüber zur Île Grande und der ganzen Bucht von Lannion. Schöner, denkt man, kann man nicht leben.  
Warum aber sind die Eigentümer ausgezogen, wenn sie in so einem Traumhaus leben konnten?
Grève Blanche
Weil diese sieben Häuser oben auf ihrer Anhöhe ungeschützt Richtung Westen auf das Meer hinausschauen. Wenn der Sturm vom Atlantik herkommt, donnert er auch dort ungebremst auf die Hauswände. Meine Vermieterin erzählte mir, dass die Menschen dort bei Sturm nicht schlafen können, sie fühlen sich wie bei einem Erdbeben. Ich frage, warum man die Häuser da gebaut hat. Sie grinst und zuckt mit den Schultern. Wir wissen es ja auch alle…
Während ich hier schreibe, ist der für heute angesagte Sturm, der mit 130 km auf das Festland donnern soll, angekommen. Das Haus, in dem ich mich befinde – etwa 100 m vom Strand entfernt und geschützt durch einen Felsen - dröhnt und wackelt, wenn die Böen auf die Mauer prallen. Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustelle, wie das Leben in diesen sieben Häusern vorne am der Grève blanche sind. Aber – sie sind ja leer und verriegelt.
Der kleine Strand, Grève blanche, der vor diesen Häusern liegt, erzählt eine eigene Geschichte, die ich schon seit 2008 jedes Jahr weiterschreibe und hier ebenfalls veröffentlichen werde. „Die Geschichte des kleinen Strandes“. Auch da spielen diese sieben Häuser eine Hauptrolle.